Pharma

Pharmazeutische Industrie: Fortschritt und sinkende Ausgaben in der Arzneimittelversorgung

13.09.2012

Die Versorgung der Patienten mit  Arzneimitteln hat sich im Jahr 2011 erneut verbessert, stellt der Verband der forschenden Pharmaunternehmen (vfa) fest. Das ist das Fazit im Arzneimittel-Atlas, einer vom Verband in Auftrag gegeben Studie. Moderne medikamentöse Therapieformen von besonders verbreiteten Krankheiten wie rheumatoider Arthritis, Multipler Sklerose, Virusinfektionen und Krebserkrankungen kommen in immer stärkerem Maße bei den betroffenen Patienten an.

Gleichzeitig haben sinkende Arzneimittelpreise dazu beigetragen dass die Arzneimittelausgaben der Gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) trotz der verbesserten Versorgung sogar gesunken sind: 2011 sind die Ausgaben um rund 1,2 Mrd. Euro auf rund 29 Mrd. Euro zurückgegangen. Dafür verantwortlich seien ein erhöhter Zwangsrabatt und auch freiwillige Rabatte der Hersteller, Patentabläufe und der stärkere Wettbewerb, so der vfa.

vfa-Hauptgeschäftsführerin Birgit Fischer erklärt zu der positiven Entwicklung: "Massive Sparbeiträge der Unternehmen haben einen entscheidenden Anteil an der Senkung der Arzneimittelausgaben der Gesetzlichen Krankenversicherung. Im Gegensatz zu anderen Leistungsbereichen hat der Gesetzgeber bei den Arzneimittelpreisen durch einen Zwangsrabatt in Kombination mit einem Preismoratorium massiv eingegriffen. Das Sinken der Ausgaben ist aber nicht nur staatlich verordnet, es folgt auch dem Marktgeschehen: Patentabläufe, stärkerer Preiswettbewerb und freiwillige Rabatte der Hersteller haben zusätzlich zu sinkenden Preisen bei Arzneimitteln beigetragen." Trotz der Einsparungen sei jedoch die therapeutische Hilfe seitens der Hersteller gewährleistet, so Fischer. Es sei erfreulich, dass mehr Patienten mit schwerwiegenden, gar lebensbedrohlichen Krankheiten im vergangenen Jahr mit wirksamen Arzneimitteln versorgt werden konnten. Fischer mahnt jedoch vor einer von ökonomischen Parametern dominierten Diskussion, wie der um die Arzneimittelversorgung. Ein weiterer Fortschritt könnte durch einseitige staatliche Regulierungen und Sparmaßnahmen gefährdet sein.

BPI: Industrie beweist Innovationskraft trotz Fehler bei der frühen Nutzenbewertung

Auch der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) bestätigt eine Verbesserung der Versorgung der Menschen durch Arzneimittel. Um die Innovationskraft der Pharma-Industrie nicht zu bremsen, seien jedoch dringend gravierende Fehlentwicklungen zu beheben. Besonders die in der Arzneimittelgesetz-Novelle geregelte frühe Nutzenbewertung von Arzneimitteln ist hier zu nennen. Für BPI-Hauptgeschäftsführer Henning Fahrenkamp ist die frühe Nutzenbewertung „zuerst dazu da, die Versorgung zu verbessern und im Krankheitsfall die besten und wirksamsten Arzneimittel zur Verfügung zu stellen“. Das Verfahren in seiner jetzigen Form sei jedoch fehlerhaft, denn die vom Gemeinsamen Bundesausschuss getroffene Wahl der Vergleichstherapien entspreche oft schwer nachvollziehbaren Kriterien. Durch dieses Vorgehen nehme man billigend in Kauf, dass wirksame Medikamente vom Markt genommen würden oder dass den deutsche Patientinnen und Patienten innovative Therapien, die in anderen europäischen Ländern zur Verfügung stehen, vorenthalten wurden, so der Verband. Die Industrie stelle sich dem harten Qualitätswettbewerb, doch sie brauche faire und kalkulierbare Spielregeln.