Wie Reinigungsmittel-Hersteller Seeger seinen Alltag meistert

17.09.2018

Balingen. Hubertus Fies ist ein Zahlenmensch: Der Betriebswirt und Bilanzbuchhalter ist Inhaber des Reinigungsmittel-Herstellers Seeger in Balingen (25 Mitarbeiter), ein Familienunternehmen mit 135-jähriger Tradition. Doch beim Blick in die Bücher stehen Sorgenfalten auf seiner Stirn: Der Druck der Weltmärkte ist längst im Zollernalbkreis angekommen.

Es geht um Rohstoffe: Die stecken in den hochwertigen Spezialprodukten für den professionellen Wasch- und Reinigungsmarkt. „Unsere Kunden sind Lebensmittel-Hersteller wie Metzgereien, die Gastronomie, Hotels, Pflegeheime“, zählt Fies auf. Bei Waschmitteln gehöre die Firma zu den Marktführern. „Den neutral eingestellten Fettlöser Triol kennt man bundesweit.“

Ersatzstoffe für Rezepturen finden

8.000 bis 10.000 Tonnen Produkt verlassen das Werk jedes Jahr auf dem Weg zu Kunden in Deutschland, der Schweiz, Österreich, Italien oder Ungarn. Exzellente Qualität und pünktliche Lieferung sind garantiert. Doch das hohe Niveau zu halten, kostet Kraft: „Wir kommen nur sehr schwer an die benötigten Rohstoffe“, erklärt Fies. Seit mehr als 20 Jahren kennt der gewiefte Einkäufer den umkämpften Markt und weiß: „Sie sind aktuell nicht erhältlich oder nur zu einem extrem hohen Preis.“

So zahlt er für Natronlauge, die Basis aller Reiniger, 50 Prozent mehr als noch vor wenigen Monaten. Grund dafür sind Produktionsausfälle bei den Herstellern. „Die Reihe kann ich leider fortsetzen“, sagt der Chef, „zum Beispiel mit Kalilauge oder Spezial-Tensiden.“ Preissteigerungen von 10 Prozent pro Quartal seien „keine Seltenheit“. Sind Rohstoffe nicht zu haben, steht die Produktion. Fallen sie komplett weg – auch aufgrund gesetzlicher Vorgaben – suchen die Mitarbeiter im Labor nach Ersatz. „Früher haben wir an Innovationen gearbeitet“, sagt Laborleiter Rudolf Fackler. „Heute sind wir überwiegend damit beschäftigt, Ersatzstoffe für die Rezepturen zu finden.“

Preiserhöhungen sind nur schwer am Markt durchsetzbar

Dazu kommen der teure Sprit sowie Mautgebühren für die Bundesstraße: „Wir liefern unsere Ware per Lkw aus“, so Fies, „da explodieren die Kosten.“ Bei den Arbeitskosten liegt Deutschland an der Spitze, steigende Energiepreise treiben die Rechnung weiter nach oben. Preiserhöhungen sind nur schwer oder gar nicht am Markt durchsetzbar, Einsparungen durch technische Optimierungen bereits ausgeschöpft.

Er hofft auf eine Besserung bei der Rohstoffbeschaffung und einen moderaten Abschluss in der laufenden Chemie-Tarifrunde: „Wir können unsere Produkte ja auf Dauer nicht teurer herstellen, als wir sie am Ende verkaufen …“

Autor: Sabine Latorre