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Spezialchemieunternehmen CHT produziert jetzt Desinfektions- und Schutzmittel

28.05.2020

Tübingen. Im März zeigte die Pandemie Deutschland die Zähne: Plötzlich waren alle alarmiert, Desinfektionsmittel und Atemschutzmasken mutierten zur heiß begehrten Mangelware.

Das Spezialchemie-Unternehmen CHT in Tübingen reagierte sofort – zunächst mit der Herstellung von Desinfektionsmittel für die Hände, weitere Produkte speziell für die Pandemie folgten. Eine, die diesen Prozess hautnah verfolgt, ist Bianca Hauck: Die 36-Jährige leitet die Abteilung Marketing und Unternehmenskommunikation des Familienunternehmens.

Alle ziehen an einem Strang, von der Produktion übers Marketing bis hin zum Vertrieb

Wie viele andere Firmen hat auch die CHT ihre Arbeitsbedingungen angepaßt und Mitarbeiter soweit möglich ins Homeoffice geschickt. „Das war für mich gar nicht so einfach“, erzählt die internationale Betriebswirtschaftlerin, die im achten Monat schwanger ist.

Denn zu Hause wartet die knapp zweijährige Tochter auf intensive Betreuung. Doch dank Internet und Laptop entstand am Esszimmertisch schnell eine Verbindung ins Unternehmen: „In der Coronakrise habe ich in der Kommunikation sehr viel zu tun.“

Eine ihrer ersten Handlungen: Die Erweiterung der Produktion auf Handdesinfektionsmittel zu verkünden. Ein Produkt, das eigentlich nicht ins Repertoire der Firma gehört. „Wir sind ja kein Pharma-Unternehmen und mussten erst auf die Genehmigung der Behörden warten. Dann konnten wir loslegen.“

„Task Force Corona“

Das Ziel: Medizinische Einrichtungen wie die Uniklinik Tübingen und Altenheime sowie Gewerbetreibende versorgen. Hauck: „Alle haben an einem Strang gezogen, von der Produktion über das Marketing, den Innendienst, die Beschaffung und die Produktsicherheit.“

Im Nu entstand die interne „Task Force Corona“ für einen schnelleren Austausch – und in der Herstellung klebten die Kollegen vom Vertrieb die Etiketten höchstpersönlich auf die Behälter, um das Produktionsteam zu unterstützen.

Die Zutaten für das Desinfektionsmittel sind teils im eigenen Lager vorrätig oder werden organisiert: „Leider schießen die Preise wegen der großen Nachfrage enorm in die Höhe“, so die Managerin.

Inzwischen hat das Unternehmen, dem besonders im Bereich textile Hilfsmittel der Umsatz weggebrochen ist, weitere „Coronaprodukte“ im Angebot. Hauck: „Zum Teil sind es neue Produkte, bei anderen haben wir nur die Anwendung bereits vorhandener Mittel erweitert.“

Seit Kurzem bietet die CHT zum Beispiel Desinfektionsmittel für Flächen an, ein Markt, der enorm zulegen dürfte. Dazu kommt eine funktionelle Ausrüstung für Gesichtsmasken: „Sie verbessert die Schutzleistung textiler und medizinischer Masken vor Bakterien und Viren“, so Hauck.

Ein ähnliches Produkt gibt es demnächst auch für medizinische Schutzkleidung: „Overalls, Kittel, Schürzen oder Abdecktücher erhalten von uns einen Barriereschutz gegen infektiöse Stoffe.“

Neu ist auch der Einsatz eines speziellen CHT-Klebstoffs für die Herstellung von Corona-Teststäbchen, mit denen Speichelproben genommen werden.

CHT will digitale Plattformen künftig stärker nutzen

Werden diese Neuheiten denn künftig alle im Angebot bleiben? „Für die Desinfektion haben wir nur eine vorübergehende Sondergenehmigung“, erklärt Hauck, „der Rest bleibt.“

Die CHT werde aber künftig den Gedanken an Pandemien mehr berücksichtigen: „Wir haben gesehen, wie schnell wir als Chemie-Unternehmen auf so eine Notlage reagieren können. Positive Elemente wie Flexibilität, Kreativität und digitale Plattformen werden wir künftig stärker nutzen.“

 

Nachgefragt

 

Wie kamen Sie zu Ihrem Beruf?

Nach dem Abi war ich im spanisch- und englischsprachigen Ausland. An der European Business School in Reutlingen habe ich nach dem Studium der Außenwirtschaft noch den Master absolviert und wollte einen Beruf mit internationaler Ausrichtung.

Was reizt Sie am meisten?

Die CHT hat sehr unterschiedliche Geschäftsbereiche, deren Kunden alle eine eigene Ansprache erfordern.

Worauf kommt es an?

Ein hohes Maß an Flexibilität, Anpassung und Vertrauen. Man kann nicht über jedes Produkt und Anwendung exakt Bescheid wissen, man braucht ein gutes Team und Kollegen.

Autor: Sabine Latorre