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Schwefel – das Gelbe

09.07.2020

Schwefel - nach dem Lateinischen auch Sulfur genannt - ist ein chemisches Element der Sauerstoffgruppe. Er verbrennt an der Luft mit blauer Flamme und erzeugt dabei stechend riechendes Schwefeldioxid. Schwefel ist für Lebewesen ein essentielles Element. Er kommt unter anderem in Aminosäuren und Enzymen vor, und spielt eine wichtige Rolle bei der anaeroben Energiegewinnung vieler Mikroorganismen.

Vorkommen: In der Natur kommt Schwefel elementar in mächtigen Lagerstätten z.B. in Sizilien, Polen, Irak, Iran, Louisiana, Texas und Mexiko vor. Zudem setzen es Vulkane beim Ausbruch in großen Mengen frei.

Geschichte: Schon vor 7000 Jahren wurde Schwefel von den Chinesen zum Bleichen von Textilien sowie als Desinfektionsmittel verwendet. Auch aus der Antike und dem Altertum gibt es Hinweise, dass der pharmazeutische Nutzen von Schwefel-Verbindungen bekannt war. Innerlich wurde Schwefel als Laxans (Abführmittel) eingesetzt. Er reizt die Darmschleimhaut. Der dabei durch Bakterien erzeugte Schwefelwasserstoff regt die Peristaltik an. Äußerlich kamen damals Schwefelrezepturen bei Hauterkrankungen wie Akne, Ekzemen, Krätze, Mykosen unter anderem zum Einsatz. Heute findet Schwefel in der Dermatologie nur noch selten Verwendung, ist aber noch nicht vollständig aus der pharmazeutischen Literatur verschwunden. Nach wie vor gibt es pharmazeutische Zubereitungen, die als Wirk- bzw. Hilfsstoff Schwefel enthalten. In der klassischen Homöopathie ist Sulfur eines der so genannten großen Mittel.

Als Schwarzpulver bauten die Araber mit Schwefel die erste Kanone. Ab dem 10. Jh. n. Chr. diente er den Chinesen als treibende Kraft für bunte Feuerwerke. Im 14. Jh. hielt das Schwarzpulver Einzug in Europa, wo es anfangs hauptsächlich für kriegerische Zwecke genutzt wurde. Später wurde es unter anderem im Bergbau eingesetzt. Schwefel wurde 1777 von Antoine Laurent de Lavoisier als Element definiert. Doch erst 1809 konnten Joseph Gay-Lussac und Lois Jacques Thénard den eindeutigen Beweis erbringen

Heutige Verwendung: Schwefel ist einer der wichtigsten Ausgangsstoffe für die chemische Industrie - etwa für die Düngemittelproduktion. Er fällt in großen Mengen bei der Erdölentschwefelung als Nebenprodukt an – wie in der Mineraloelraffinerie Oberrhein in Karlsruhe. Rund 90 Prozent werden zu Schwefelsäure umgesetzt, etwa für Autobatterien.

Ökologische Aspekte: Bei der Energiegewinnung aus fossilen Brennstoffen wie Steinkohle, Braunkohle und Erdöl werden große Mengen Schwefeldioxid SO2 freigesetzt. Dieses bleibt als Gas oder im Wasser der Wolken gelöst zunächst in der Atmosphäre. Dabei bildet es einen wichtigen Bestandteil des gesundheitsgefährdenden Smogs. Abgebaut werden kann es, indem von Sauerstoff zu Schwefeltrioxid SO3 oxidiert wird und dann als Schwefelsäure H2SO4 mit dem Regen ausgespült wird. Daraus ergibt sich ein weiteres Problem, da diese als Bestandteils des Sauren Regens zur Versauerung der Böden beiträgt. Seit den 1970er Jahren sind darum Maßnahmen zur Rauchgasentschwefelung in Deutschland gesetzlich vorgeschrieben. Daneben werden seit einigen Jahren die Entschwefelung von Fahrzeugkraftstoffen - vor allem Diesel - forciert. Durch diese Vorschriften und ihre Umsetzungen konnten die Schwefelemissionen seit den 1960er Jahren drastisch reduziert werden. Dies spiegelt sich auch deutlich in der Tatsache wider, dass in der Landwirtschaft die Schwefeldüngung notwendig wird. Dies war zuvor nicht relevant.

Interessant: Schwefel wird Wein zugesetzt, denn er macht ihn länger haltbar. 

Mehr zu den physikalisch-chemischen Eigenschaften von Schwefel finden Sie hier.

 

Autor: Sabine Latorre