Der Mann für Social Media beim Reifenhersteller Michelin Deutschland

07.03.2019

Karlsruhe. Ohne Handy trifft man Benjamin Rütschle garantiert nie an: Er ist für die Social-Media-Kommunikation des Reifenherstellers Michelin in Deutschland (8.600 Mitarbeiter), Österreich und der Schweiz verantwortlich.

Virtuos bedient der 31-Jährige Kanäle wie Facebook, Youtube, Instagram oder Linkedin, füttert sie mit Infos aus der Michelin-Welt. Sein Ziel sind in erster Linie Endverbraucher, die die Produkte im Reifenhandel kaufen. Aber auch die Mitarbeiter des Konzerns: „Die Bewertungsplattform Kununu ist für uns zum Beispiel ein wichtiges Tool, um die Arbeitgebermarke zu positionieren“, so Rütschle.

Gefragt: Gute Geschichten und schöne Bilder

Das Gespräch mit Journalisten sucht er hauptsächlich über Twitter. Eine wichtige Rolle spielt bei Michelin auch die Zusammenarbeit mit Bloggern: „Für uns ist die Influencer-Kommunikation ein schönes Vehikel, unsere Botschaften aus einem völlig anderen Blickwinkel und sehr authentisch zu transportieren.“

Gefragt sind im Social Web Fakten, schön erzählte Geschichten und gute Bilder. Etwa von der Verleihung der Michelin-Sterne in Berlin, dem Auto-Salon in Genf oder der Vorstellung eines neuen SUV-Pneus. Allerdings greift Rütschle selber weder zur Foto- noch zur Videokamera: „Dafür holen wir uns Profis!“

Wir konkurrieren mit allen Premiummarken um die Aufmerksamkeit

Schließlich konkurriere man mit den Premiummarken dieser Welt um die Aufmerksamkeit der Nutzer: „Das erfordert eine sehr visuelle Kommunikation und eine hohe Qualität.“ Eine globale Marke wie Michelin trete stets professionell auf: „Die Strahlkraft muss stimmen.“ Rütschle selbst ist übrigens niemals persönlich zu sehen. „Mein Gesicht ist nicht Michelin“, sagt er, „wir überzeugen lieber mit starken Inhalten.“

Die Firmen-Webseiten fallen ebenfalls in seinen Aufgabenbereich, oft ist eine enge Abstimmung mit anderen Abteilungen nötig. Da lacht Rütschle: „Manche glauben, ich hocke den ganzen Tag vor Facebook und überlege mir die nächsten Postings. Dabei besteht mein Alltag eher aus Recherche, Analysen, vielen Abstimmungen und der Freigabe von Texten und Bildern.“

Seit 2016 gibt es die Stelle des „Social Media Managers“ oder besser des „Digital Communication Managers“ beim Unternehmen. Lustig: Als Rütschle mit dem Medienmanagement-Studium begann, gab es diesen Beruf noch gar nicht!

„Dank Social Media kann heute jeder direkt mit den Unternehmen in Kontakt treten“, schwärmt der Kommunikator. „Die Menschen möchten sich an verschiedenen Touch-Points mit uns austauschen, nicht nur über Brief, E-Mail oder Fax.“

Michelin will die Kunden im Fokus haben, mit ihnen interagieren, von ihren Problemen erfahren und diese lösen. Wie aber geht man mit direkten Anfragen der Nutzer aus dem Netz um? „Stets wertschätzend, hilfreich und auf Augenhöhe“, so Rütschle. Meist geht es um fachliche Dinge wie den Reifendruck. Sein Ziel es ist, jedem binnen eines Arbeitstages zu antworten. Weshalb er durchaus auch mal in der Freizeit auf sein Handy schielt: „In meinem Beruf kann man nicht so richtig abschalten, das will ich auch gar nicht.“

Was man heute schreibt, steht für immer im Netz

Wenn er es dann doch tut, gehört die Zeit seiner Frau und dem kleinen Sohn. Und dem Eishockey: „Ich bin ein begeisterter Spieler.“ Den Internet-Auftritt des Vereins betreut er natürlich auch.

Was rät er Freunden, die selbst im Social Web unterwegs sind? „Sehr genau überlegen: Was schreibe ich öffentlich? Wie sind meine Einstellungen bei der Privatsphäre? Bin ich für die ganze Welt einsehbar? Oder nur im privaten Umfeld? Jedem muss klar sein, dass alles, was man jetzt schreibt, dann für immer im Netz bleibt.“ 

Persönlich

Wie kamen Sie zu Ihrem Beruf?

Durch meine Vorliebe für journalistische Inhalte und Werbung. Ich mag digitale Kommunikation, deshalb habe ich Medienmanagement studiert.

Was reizt Sie am meisten?

Kreativ zu sein und Geschichten zu erzählen, macht mir Spaß. Dazu muss man viel recherchieren – und das Zusammenspiel visueller und textlicher Inhalte im Auge haben.

Worauf kommt es an?

Auf klare Visionen: Wo geht es hin? Man muss sich mit aktuellen Entwicklungen beschäftigen und ständig etwas Neues dazulernen.

Autor: Sabine Latorre