Wie Wissenschaftler bei Börlind Naturkosmetik aus dem Labor in die Produktion bringen

04.10.2017

Calw. Ein schwacher Duft nach edlen Ölen, Blüten- und Pflanzenessenzen weht durch die Produktionsräume von Naturkosmetikhersteller Börlind. Am Standort in Calw entstehen mehr als 1.250 verschiedene Produkte.

Sobald Fertigungsleiter Martin Behrens auf den Kontrollschirm drückt, hebt sich der Rührarm aus einem Edelstahlkessel: „Das ist unser kleiner Mischer, er fasst fünf Kilo“, erklärt Behrens. Einige Schritte weiter steht die exakt gleich aufgebaute Anlage im Großformat. Sie fasst bis zu 450 Kilogramm. Hier aber riecht man nichts mehr: Die Naturkosmetik entsteht in geschlossenen Systemen. So können Cremes und andere hochwertige Schmink- und Pflegeprodukte nicht verunreinigen.

Über 6,5 Millionen Tiegel und Tuben liefert Börlind jährlich in alle Welt, berichtet Produktionsleiter Werner Helgert. Rund 200 Mitarbeiter entwickeln und fertigen sie in Calw. Das erfordert Know-how. Denn das Make-up aus der großen Herstellungsanlage muss am Ende exakt dieselben Eigenschaften haben wie das Vorgabenmuster aus der hauseigenen Entwicklung.

Hauptbestandteil der Börlind-Kosmetik ist einmal das eigene Tiefenquellwasser aus 166 Meter Tiefe. Dazu kommen wertvolle Pflanzenöle und andere natürliche, qualitativ hochwertige Rohstoffe. Helgert: „In einer Tagescreme können schon einmal bis zu 25 Substanzen stecken.“

Sehr präzise werden die Rezepturen und Anlageneinstellungen vom kleinen Labormaßstab auf die großen Herstellungsanlagen übertragen – im Fachjargon heißt das Scale-up. Das ist eine Herausforderung. „Die Entwickler haben ein besonderes Gespür für ihr Produkt“, erklärt der Produktionschef. „Sie rühren vielleicht einmal mehr um oder erhöhen die Temperatur um zwei Grad, wenn sie sehen, dass das Produkt beim Mischen noch nicht die gewünschten Eigenschaften hat.“

Derart nachsteuern – das kann eine Maschine natürlich nicht. Umso wichtiger, dass man die wichtigen Parameter wie Rührzeiten, Rührgeschwindigkeiten und Temperatureinstellungen richtig einstellt. Erst am kleinen Fünf-Kilo-Mischer, dann an den größeren Anlagen. „Das muss auf den großen Anlagen prozesssicher sein. Unsere Rohstoffe sind einfach zu teuer für Fehlversuche“, sagt Helgert. Zudem differieren die Produktionsmengen: Mal beträgt die Losgröße der Besteller bis zu 100.000 Einheiten, mal sind es auch nur 100, bei einem Nischenprodukt.

Rund 500 Tonnen Rohstoffe landen bei Börlind jährlich im „Quarantänelager“. Dort prüft man sehr sorgfältig ihre Qualität. Anschließend kommen sie ins Rohstofflager und schließlich in die Herstellung. Der letzte Schritt erfolgt in den Abfüllanlagen: Hier gießen die Mitarbeiter Lippenstifte in Form, füllen Make-up in Glasflaschen, verschließen Cremetuben und packen sie in Faltschachteln.

Autor: Andrea Veyhle