Tarifpolitik | Wirtschaftsdaten

Wie steht es um die Wirtschaft in Deutschland? Der BAVC macht den Faktencheck zur Tarifrunde #Chemie2016

08.06.2016

Um den Verteilungsspielraum zu bestimmen, um sinnvoll verhandeln zu können, müssen bei Tarifverhandlungen die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen geklärt werden. Das hat der BAVC - der Bundesarbeitgeberverband Chemie - gemacht. Einige der wichtigen Ergebnisse haben wir zusammengefasst. 

Wächst die deutsche Wirtschaft stabil?

2015 ist die deutsche Wirtschaft um 1,7 Prozent gewachsen, nach 1,6 Prozent in 2014. Im laufenden Jahr wird ein Zuwachs von rund 1,6 Prozent erwartet. Das ist ein gleichbleibendes Wachstum, aber auf einem historisch betrachtet niedrigen Niveau. Hinzu kommt: die Industrie wächst schwächer als die Wirtschaft insgesamt.

Erholt sich die europäische Wirtschaft?

Auch in wichtigen europäischen Industriestaaten wächst die Wirtschaft nur schwach: Die EU-Kommission erwartet in diesem Jahr für Frankreich 1,3 Prozent, für Italien 1,4 Prozent und für die EU insgesamt 1,9 Prozent. Impulse für die deutsche Industrie gehen von diesem geringen Wachstum der EU-Partner kaum aus.

Bringt die Weltwirtschaft Dynamik rein?

Für das kommende Jahr 2017 erwartet der IWF derzeit noch ein Wachstum der Weltwirtschaft von 3,5 Prozent – und damit kaum mehr als 2016. Das ist keine echte Zunahme an Dynamik.

Was ist mit den guten Wechselkursen und der Zins- und Ölpreis-Entwicklung?

Trotz des dreifachen Konjunkturprogramms aus Wechselkursen, Zinsen und Ölpreis wächst die deutsche Wirtschaft nur verhalten. Das wirft Fragen zur zukünftigen Entwicklung ohne diese massive Unterstützung auf, denn Zinsen und Ölpreise können kaum noch weiter sinken. 

Also könnte der Konsum die Wirtschaft ankurbeln?

Die deutsche Wirtschaft wächst in den letzten Jahren hauptsächlich getrieben vom privaten Konsum. Die Industrie hinkt der Entwicklung hinterher. Von einer zusätzlichen Stärkung des privaten Konsums in Deutschland haben weite Teile der deutschen Industrie wenig. 

Aber wir sind doch Exportweltmeister ...

Viele Chemie-Unternehmen in Deutschland sind international erfolgreich – und das müssen sie auch bleiben. Denn die Basis für viele Betriebe ist der Export und ihre globale Wettbewerbsfähigkeit. Der Anteil der deutschen Chemie am Weltmarkt sinkt aber seit Jahren: 1995 lag er bei 8,7 Prozent, zuletzt bei nur noch 4,6 Prozent. 

... die Aussichten: durchwachsen und eher auf Stagnation eingestellt

Der BAVC hat noch einige Punkte mehr untersucht und zusammengestellt. Unterm Strich: die Branche braucht einen moderaten Abschluss, damit die Entwicklung in dem bisherigen bescheidenen Rahmen weitergeht.