25 Jahre Dialog Schule – Chemie: Verbände haben 30.000 Dialoge geführt / Kontaktplattform für Pädagogen und Industrie auf dem Lehrerkongress gefeiert

22.11.2016

Böblingen, 22. November 2016. Die Idee war: miteinander ins Gespräch kommen. So charakterisierte Markus Scheib, Vorsitzender der Chemie-Arbeitgeber in Baden-Württemberg, den Start des „Dialog Schule – Chemie“ (DSC) vor 25 Jahren. Das Jubiläum dieser landesweit einmaligen Brancheninitiative wurde am Dienstag gemeinsam mit 300 Pädagogen aus ganz Baden-Württemberg auf dem diesjährigen Lehrerkongress der chemischen Industrie in Böblingen gefeiert. Seit einem Vierteljahrhundert begleiten die Chemie-Verbände Baden-Württemberg mit dem DSC die naturwissenschaftliche Bildung in den Schulen: „Wir unterstützen, wir fördern und wir werben: Wir wollen, dass Naturwissenschaften intensiver erlebt werden, dass naturwissenschaftliche Zusammenhänge erkannt werden und natürlich, dass der Unterricht auch Spaß macht“, ergänzt Peter Dettelmann, Vorsitzender des baden-württembergischen Verbandes der Chemischen Industrie (VCI).

Beginn und Ziele

Die Chemie-Verbände, die insgesamt 440 Unternehmen der Chemie-, Pharma- und Lackindustrie im Land mit 107.000 Beschäftigten vertreten, hatten 1991 begonnen, Kontakte zu Schulen im Land zu knüpfen. Im Mittelpunkt standen damals wie heute zwei Ziele: Erstens mehr Verständnis und Begeisterung für die naturwissenschaftlichen Fächer in der Schule zu erreichen. Zweitens sollten auch die Berufe in der chemischen Industrie bekannter gemacht werden. Gerade die naturwissenschaftlichen Ausbildungsberufe wie Chemikant, Pharmakant oder auch die Laborantenberufe waren nach Auffassung der Verbände zu wenig präsent bei der Berufswahl. Hier setzten erste Veranstaltungen des DSC an. Sie informierten über die Voraussetzungen und die Aufstiegschancen dieser anspruchsvollen und gut bezahlten Berufe. Lehrerfortbildungen zu Experimenten im Klassenverbund, zum sicheren Chemie-Unterricht oder zu Einzelthemen wie Nano- oder Biotechnologie ergänzten diese Angebote.

Weiterbildung und Kontakte

Ein Schwerpunkt der Arbeit des DSC sind Fortbildungen für Lehrerinnen und Lehrer. Vielfach nachgefragt sind Sicherheitsfortbildungen für Chemie- und Naturwissenschaftslehrer. Ein wichtiger Aspekt dieser Treffen, genauso wie der Lehrerkongresse, ist der persönliche Austausch. Auf den Lehrerkongressen und den Grundschulkongressen der Chemie-Verbände werden zahlreiche herausragende und nachahmenswerte Beispiele von Organisationen und Initiativen gezeigt. Das regt nicht nur zum Nachmachen an, sondern hat über die Jahre hinweg auch ein Netzwerk geschaffen, das sich gegenseitig stärkt und befruchtet.

Bildung für Naturwissenschaften

Die frühkindliche Bildung stand bereits in den ersten Jahren ebenfalls im Fokus des „Dialog Schule – Chemie“. Die Verbände boten Fortbildungen für Erzieherinnen und Erzieher an. Sie stellten Experimentierhefte zu einfachen Naturphänomenen, die auch in Kindergarten und Grundschule zum ersten Verstehen von Naturgesetzen führen können, zur Verfügung. Jüngstes Materialangebot ist ein ganzes Buch mit einfachen Experimentieranleitungen zu den Pflichtexperimenten in den ersten beiden Grundschulklassen.

Die Förderung von Grund- und weiterführenden Schulen betreibt der DSC in enger Zusammenarbeit und mit Unterstützung durch den Fonds der Chemischen Industrie. Er ist das Förderwerk des Verbandes der Chemischen Industrie. Hier werden jährlich bundesweit 2,5 Millionen Euro Fördermittel an Schulen für mehr praktischen Unterricht in den Naturwissenschaften vergeben. Diese Gelder können und werden auch von Schulen in Baden-Württemberg beantragt. 

25 Experimentierkästen zum Lithium-Ionen-Akku

Im Jubiläumsjahr fördern die Verbände 25 Schulen in ganz Baden-Württemberg auf besondere Art und Weise: Sie erhielten auf dem Lehrerkongress einen naturwissenschaftlichen Experimentierkoffer zum Thema „Lithium-Ionen-Akku“. Dieser in Freiburg an der Pädagogischen Hochschule entwickelte Koffer hat einen Wert von mehr als 350 Euro. Damit können Schüler selbst Versuche machen, die ihnen helfen, die weit verbreitete und sehr energieeffiziente Akkutechnologie zu verstehen. Diese Vertreter der Schulen erhielten "ihren" Experimentierkoffer von Ralf Müller, Geschäftsführer der Chemie-Verbände.

Bildungspolitik auf einem guten Weg

Für die Chemie-Verbände sei die Entwicklung der Bildungspolitik im Land grundsätzlich auf einem guten Weg, stellte Scheib auf dem Kongress fest. Das zeigten die Einführung von mehr Berufsorientierung in allen Schularten und das Schulfach Wirtschaft. Auch die Rückkehr zu mehr Fachlichkeit in den Naturwissenschaften, wieder hin zu den Einzelfächern Chemie, Physik und Biologie, sei richtig. Hier müsse aber darauf geachtet werden, dass geeignete und fachlich ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer zum Einsatz kommen.

Zahlen und Fakten zum Dialog Schule - Chemie

In den vergangenen 25 Jahren haben die Chemie-Verbände etwa 30.000 Dialoge mit Lehrerinnen und Lehrern aus Baden-Württemberg geführt. Auf 430 Fortbildungstagen haben Fachleute aus Pädagogik, Wissenschaft und Unternehmen Wissen und Fertigkeiten vermittelt. Die Angebote reichten vom Experimentieren im Klassenverbund über die Sicherheit im Chemie-Unterricht bis hin zu Fachthemen wie Biotechnologie. Dazu kamen 22 Kongresse für Fach- und allgemeinbildende Pädagogen, seit 2015 auch für Grundschullehrer. Per Post, Mail oder persönlich wurden mehr als 350.000 Arbeitshilfen wie Periodensysteme, Experimentierbücher, Informationshefte oder Versuchssets an Schulen verteilt.

Der Dialog Schule – Chemie wird getragen von den Chemie-Verbänden Baden-Württemberg. Betreut wird die Initiative durch den promovierten Biochemiker Tobias Pacher in der Geschäftsstelle der Verbände in Baden-Baden.

Zum Lehrerkongress der chemischen Industrie

Das Programm des Lehrerkongresses in Böblingen kann hier heruntergeladen werden:

http://www.chemie.com/fileadmin/user_upload/ChemieBW_Lehrerkongress2016_Einladung_Programm.pdf

Fotos vom Lehrerkongress 2016 | Böblingen (rechtefrei mit Urheberhinweis)