Schauen, Erklären, Machen: Kinder, Sprache und naturwissenschaftliche Experimente gehören zusammen

07.06.2018

Die Lehrerinnen und Lehrer suchen nach Worten: „fill the Essig in the Bottle“ hört man, „la bouteuille“ oder andere Wortfetzen, mit denen sie ihrem Nachbarn den einfachen „Essig und Backpulver“-Versuch erklären. Prof. Dr. Astrid Rank hat sie dazu aufgefordert, das in „ihrer besten Fremdsprache“ zu tun – um zu erleben, wie es Kindern geht, wenn sie zum ersten Mal Experimente, ihre Abläufe oder Ergebnisse, beschreiben. Die Lehrstuhlinhaberin für Grundschulpädagogik und -didaktik war selbst einige Jahre Lehrerin an einer Grundschule und kennt die Anforderungen und Probleme beim Experimentieren im Klassenverbund in der Grundschule gut.

Kongress der Chemie-Verbände

Auf dem Kongress „Experimentieren in der Grundschule“ der Chemie-Verbände Baden-Württemberg erläutert die Regensburger Professorin den mehr als 200 Teilnehmern, warum Sprache und Experimentieren untrennbar zusammengehören. Ihr einfacher Versuch vermittelt das eindrücklich – und die Zahlen, die sie aus verschiedenen Studien zitiert, unterstreichen die praktischen Erfahrungen.

Von der Alltags- zur Bildungssprache

Die Wissenschaftlerin zeigte den Grundschulpädagogen im Bürgerhaus am See in Freiburg, wie wichtig das Erklären und Besprechen von Experimenten ist. Kinder nutzen ihre „Alltagssprache“, um Erkenntnisse zu beschreiben: „Rund-eckige Körner“ erkennen beispielsweise Siebenjährige im Mikroskop. Den Übergang zur „Bildungssprache“ ist nach Astrid Ranks Erkenntnissen im Übrigen nicht abhängig davon, ob Deutsch die Muttersprache ist. Klar ist aber, dass Lehrer, die ihre Schüler mit einem Gerüst an Begriffen zur korrekten Beschreibung eines komplexeren Vorgangs beim Experimentieren ausstatten, ihnen weiterhelfen: Für die Schüler ist es ein Erfolgserlebnis, sich durch Sprache eine neue Erkenntnis noch besser erschließen zu können.

Praktische Übungen für den Schulalltag

Die Grundschulpädagogen in Freiburg hörten nicht nur den Vortrag von Prof. Rank. Sie konnten vor allen Dingen viele praktische Experimente für Grundschüler selbst ausprobieren. An 17 Stationen ging es um Feuer, Luft und Wasser, Farbe und Licht oder mechanische Grundprinzipien. Der Kongress mit seinem praxisorientierten Programm zeigt einmal im Jahr Grundschullehrerinnen und -lehrern in Baden-Württemberg, wie das praktische Arbeiten im Klassenverbund gut funktioniert. Auch die Sicherheit dabei ist Thema: der Beitrag der Unfallkasse Baden-Württemberg trug dazu bei, den Pädagogen ihre Befürchtungen zu nehmen. Die Stoffe sind unproblematisch, die „Geräte“ können sicher ausgewählt werden – und damit klappen auch die Pflichtversuche, die der Bildungsplan für die Grundschulen im Land vorsieht.