"Pharma Fakten" hat Volksweisheiten zum Impfen geprüft

05.03.2018

"Pharma Fakten" ist eine Initiative des Pharma Fakten e.V., in dem 16 Unternehmen und zwei Verbände aus der Arzneimittel-Branche organisiert sind, um über die Pharmabranche und ihre Hintergründe zu informieren. In seiner jüngsten Veröffentlichung hat sich der Zusammenschluss mit Volksweisheiten zum Impfen beschäftigt. Welche Vorurteile gibt es? Und: Wie wenig Wahrheit steckt dahinter? Die Ergebnisse lesen Sie hier:

Volksweisheit Nr. 1: Die meisten impfpräventablen Krankheiten sind bei uns ausgerottet – das Impfen ist deshalb sinnlos.

Selbst wenn einige dieser Krankheiten bei uns selten geworden sind, zirkulieren sie doch in anderen Ländern. Das erneute Aufkommen von Polio an Europas Grenzregion in Tadschikistan im Jahr 2012 ist dafür nur ein Beispiel. In einer globalisierten Welt ist es deshalb wichtig, den Impfschutz hochzuhalten – Viren kennen keine Grenzen.

Volksweisheit Nr. 2: Impfungen haben langfristige  Nebenwirkungen die wir heute noch gar nicht kennen. Impfungen können sogar töten.

Impfungen sind sehr sicher. Die meisten verursachen kleinere Nebenwirkungen wie Rötungen und Schwellungen oder ein leichtes Fieber. Das ist ein Zeichen, dass die Impfung, das tut, was sie soll: Den Körper zu stimulieren, einen Schutz aufzubauen. Schwere Nebenwirkungen durch Impfungen sind extrem selten; sie werden genau protokolliert und untersucht.

Eine medizinische Maßnahme – und so auch das Impfen – ist immer eine Abwägung zwischen Nutzen und Risiko. Masern beispielsweise sind nicht einfach eine Kinderkrankheit. Ihre Folgen können Hirnhautentzündung (Enzephalitis), Blindheit und sogar Tod sein. Eine Impfung ist deshalb sinnvoll. Eine „Masern-Party“ hingegen ist ein nicht kalkulierbares Risiko.

Volksweisheit Nr. 3: Sechsfach-Impfstoffe können den plötzlichen Kindstod auslösen.

Es gibt keinen Zusammenhang zwischen der Impfung und dem plötzlichen Kindstod – und das trotz eingehender Untersuchungen. Richtig ist, dass diese Kleinkinderimpfung und der Zeitraum, in dem das „sudden infant death syndrome (SIDS) auftritt, zusammen fallen. SIDS tritt aber auch auf, wenn nicht geimpft wird. Die Sechsfach-Impfung verursacht kein SIDS, schützt Säuglinge und Kleinkinder aber vor sechs schweren Krankheiten.

Volksweisheit Nr. 4: Mehrfach- und Kombinations-Impfstoffe überfordern das Immunsystem der Kleinkinder.

Bis heute gibt es keinen wissenschaftlichen Beleg für diese These. Im Gegenteil: Die durch die Mehrfachimpfstoffe gegebene Antigen-Menge moderner Impfstoffe ist eine winzige Menge für ein Immunsystem, das von Geburt an einer wahren Attacke von Viren und Bakterien ausgesetzt ist. Kombinationsimpfstoffe haben aber einen klaren Vorteil: Sie reduzieren Arzt- und Klinikbesuche, sie bedeuten weniger Injektionen und sie sorgen dafür, dass die Impflücken klein bleiben.

Volksweisheit Nr. 5: Hohe Hygienestandards machen Impfungen überflüssig.

Hygiene ist der Tod für viele Infektionskrankheiten – Handwaschprogramme können in anderen Regionen der Welt wahre Wunder auslösen. Andere Viren interessieren sich dagegen nicht für das hygienische Umfeld: Sie breiten sich aus – egal, wie oft wir uns waschen. Polio- oder Humane Papilloma-Viren lassen sich nicht wegduschen. Wegimpfen lassen sie sich schon.

Volksweisheit Nr. 6: Kinderkrankheiten durchzumachen ist notwendiges Training für das Immunsystem – deshalb sollten sie auch nicht durch Impfungen unterdrückt werden.

Bis heute gibt es keinen Beleg für die These. Anders als das Wort „Kinderkrankheit“ suggeriert, können die Folgen für die Entwicklung des Kindes schlimm sein. Auf den Impfschutz zu verzichten, heißt, die Kinder unnötig Krankheiten und ihren mitunter schweren Komplikationen auszusetzen.

Volksweisheit Nr. 7: Die Grippe ist keine schwere Erkrankung – und die Impfung dagegen nicht sehr effektiv.

Die Influenza ist eine schwere Erkrankung und wird oft fälschlicherweise mit einer Erkältung gleichgesetzt. In Deutschland sterben jährlich zwischen 10.000 und 30.000 Menschen als Folge einer Grippe. Regelmäßige Grippeimpfung kann vor Grippe schützen, ihren Verlauf mindern und verhindern, dass sie sich weiter ausbreitet. Gerade für Ältere oder chronisch Kranke gilt: Eine Grippe kann schlimme Komplikationen nach sich ziehen.

Volksweisheit Nr. 8: Impfungen können Autismus verursachen.

Die Studie, die 1998 den Zusammenhang zwischen der Masern-Mumps-Röteln-Impfung (MMR) und Autismus belegen wollte, ist längst einkassiert; die Autoren wurden des Betrugs überführt. Stand 2014 belegen 107 Studien, dass kein Zusammenhang zwischen der MMR-Impfung und Autismus besteht. Der Betrug von 1998 allerdings wirkt bis heute auf fatale Weise fort: durch niedrige Impfraten und vermehrte Krankheitsausbrüche.