Das Wichtigste auf einen Blick:
- Der Botaniker Wilhelm Barthlott entdeckte den Lotuseffekt in den 1970er Jahren; in den 1990er Jahren wurde er technisch weiterentwickelt.
- Winzige Noppen und eine Wachsschicht sorgen beim Lotusblatt dafür, dass Wasser kaum an der Blattoberfläche haftet.
- Das Unternehmen Sto aus Stühlingen brachte 1999 mit „Lotusan“ eine der ersten selbstreinigenden Fassadenfarben auf den Markt.
Wie praktisch: Manche Fassaden reinigen sich fast von selbst. Möglich macht das der sogenannte Lotuseffekt. Und der hat seinen Namen aus der Natur: Die Blätter der Lotuspflanze sind mit winzigen Erhebungen und einer wasserabweisenden Wachsschicht überzogen. Wassertropfen haften deshalb kaum auf ihnen. Sie bilden kleine Kugeln, rollen über die Oberfläche – und nehmen dabei Staub und Schmutz gleich mit.
Entdeckt hat dieses Prinzip in den 1970er Jahren der Botaniker Wilhelm Barthlott, damals Doktorand in Heidelberg. In den 1990er Jahren begannen Forscher und Unternehmen dann, den Effekt technisch nachzuahmen. Der Fachbegriff für derlei Inspirationen lautet Bionik: Lösungen aus der Natur werden auf Produkte oder Verfahren übertragen.
Menschen & Betriebe
Die Oberfläche hat winzige Noppen, über die Wasser einfach abläuft
Deshalb gibt es heute zum Beispiel Dachziegel, Glasversiegelungen und Photovoltaikmodule, die sich selbst reinigen. Eines der ersten Produkte mit Lotuseffekt kam schon im Jahr 1999 auf den Markt: die Fassadenfarbe „Lotusan“ des Herstellers Sto aus Stühlingen. Sie bildet auf der Oberfläche unzählige winzige Noppen, über die Wasser leicht abläuft und den Schmutz mitnimmt. Gleichzeitig finden Algen und Pilze so kaum eine Lebensgrundlage.
Der Botaniker Barthlott, heute Professor im Ruhestand, freute sich, dass seine Entdeckung von dem Unternehmen aufgegriffen wurde: „Sto hat sehr früh erkannt, welches umweltrelevante Potenzial in biologischen Konstruktionen und Prinzipien für die Technik steckt.“
Bionik – lernen von der Natur
Der Begriff Bionik setzt sich aus Biologie und Technik zusammen. Bionik untersucht, wie die Natur technische Herausforderungen löst – und überträgt diese Prinzipien auf Produkte, Materialien und Produktionsverfahren. Entscheidend ist die zugrunde liegende Funktion: Die Haut des Hais kann etwa Ideen für reibungsarme Oberflächen liefern, die Klette war das Vorbild für den Klettverschluss. Für Industrieunternehmen ist Bionik ein Ansatz, um Innovationen voranzutreiben und Antworten auf Herausforderungen wie steigende Energie- und Rohstoffkosten oder den Schutz der Umwelt zu finden.

