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Presse Tarifpolitik agvChemie

Tarifverhandlung Chemie Baden-Württemberg ergebnislos vertagt / Chemie-Tarifrunde:
Arbeitgeber fordern tarifpolitische Atempause

Um den Abwärtstrend zu stoppen, muss die Wettbewerbsfähigkeit gestärkt werden | Eine weitere generelle Entgelterhöhung würde die Lage verschärfen.

Karlsruhe, 19. Januar 2026. Die Tarifverhandlungen für Chemie und Pharma fallen mitten in die tiefste Krise der Branche. Heute sind die Verhandlungspartner der baden-württembergischen Regionalrunde nach mehr als dreistündigen Verhandlungen ohne Ergebnis auseinandergegangen. Die Vertreter des Arbeitgeberverbandes Chemie Baden-Württemberg (agvChemie) wiesen die Forderungen der IGBCE nach Entgeltsteigerungen über der Inflationsrate und verbindlichen tariflichen Maßnahmen zur Beschäftigungssicherung zurück und drängten auf eine tarifpolitische Atempause.

„Um den Abwärtstrend zu stoppen, müssen wir Wettbewerbsfähigkeit zurückgewinnen. Das ist unser gemeinsames Ziel. Wir dürfen die Situation durch eine neuerliche generelle Entgelterhöhung nicht weiter verschlechtern“, so der Verhandlungsführer des agvChemie, Christjan Knudsen.

Hohe Energiekosten, schwache Nachfrage aus dem In- und Ausland, geopolitische Unsicherheiten, neue Zölle und nicht wettbewerbsfähige Arbeitskosten setzen die Unternehmen massiv unter Druck. Statements von Unternehmensvertretern während der Verhandlung verdeutlichten die Lage der Branche. Laut Konjunkturumfrage schätzen 86 Prozent der Unternehmen in Baden-Württemberg die wirtschaftliche Lage gleich schlecht oder schlechter ein als noch 2024.

Die Unternehmen der Chemie- und Pharma-Branche produzieren heute 20 Prozent weniger als 2018. Die Auslastung liegt auf einem historisch niedrigen Niveau, weit unter der Rentabilitätsgrenze von 83%. Die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland geht immer weiter zurück. Steigende Kosten, auch durch zu hohe Tarifabschlüsse, verschärfen das Problem. In Baden-Württemberg ist der Lohnkostenanteil am Umsatz hoch. Bei 40 Prozent der Unternehmen beträgt der Anteil ein Drittel oder mehr. Damit entfällt ein bedeutender Teil des Umsatzes auf Personalkosten.

Mit einer Entgelterhöhung von insgesamt 6,85 Prozent aus dem letzten Tarifabschluss sind die Unternehmen massiv in Vorleistung getreten. Die damit verbundenen Hoffnungen auf wirtschaftlichen Aufschwung haben sich in keiner Weise bestätigt. Es gibt kein Wachstum, keinen Aufschwung und damit auch keinen Verteilungsspielraum. In der aktuellen Krise brauchen die Unternehmen eine tarifpolitische Atempause.

Die Forderung der IGBCE nach verbindlichen tariflichen Maßnahmen zur Beschäftigungssicherung, weist die Arbeitgeberseite zurück. Niemand sollte jetzt falsche Erwartungen wecken. Eine flächendeckende Jobgarantie per Tarifvertrag kann es nicht geben. Über die Bedeutung der Ausbildung und der Fachkräfte für die Zukunft der Branche besteht Einigung.

Die Tarifverhandlungen werden auf Bundesebene fortgesetzt.

Zur Tarifrunde Chemie 2026

Verhandelt wird zwischen dem baden-württembergischen Chemie-Arbeitgeberverband (agvChemie) und der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IGBCE) über die Entgelte und Arbeitsbedingungen von etwa 73.000 Beschäftigten in den 210 tarifgebundenen Chemie- und Pharma-Unternehmen im Land. Die Verhandlungen werden am 3. und 4. Februar 2026 in Hannover auf Bundesebene fortgesetzt. Nach Bedarf werden weitere Verhandlungsrunden stattfinden.

Der derzeitige Entgelt-Tarifvertrag läuft zum 28. Februar 2026 aus.