Baden-Württemberg und Bayern verbindet mehr als die Vorliebe für Laugenbrezeln und eine gemeinsame Landesgrenze: Beide Bundesländer zählen zu den zentralen Standorten einer innovationsstarken, vor allem mittelständisch geprägten pharmazeutischen Industrie und vitalen Biotechnologie-Clustern mit aufstrebenden Hidden-Champions. Die Branche ist in beiden Ländern ein Schlüsselsektor – sie sichert die Patientenversorgung und treibt die medizinische Forschung mit hohem Tempo voran. Gleichzeitig bewegen sich die Unternehmen beider Länder in demselben schwierigen regulatorischen Rahmen, der vielfach ausbremst und Wettbewerbsfähigkeit behindert.
Das muss sich ändern – und daher braucht die Pharmaindustrie eine starke Stimme, um in Berlin und Brüssel mehr Gehör zu finden. Genau hier setzt die Initiative zum BPI-Netzwerktreffen Baden-Württemberg / Bayern an. In enger Zusammenarbeit wollen wir konkrete Lösungsansätzen erarbeiten und mit gemeinsamen Zielrichtungen zusammen mehr erreichen.
Dr. Christian Roesky, Vorsitzender des BPI Baden-Württemberg, betonte: "Die Pharmaindustrie in Bayern und Baden-Württemberg ist unverzichtbar für die Gesundheitsversorgung und kann ein starker Treiber unserer Zukunft sein. Was jetzt zählt: Die überfälligen Reformen müssen mutig von der Politik angegangen werden. Deshalb sind wir heute zusammengekommen, um unsere Kräfte zu bündeln. Ziel ist es, die Unternehmen und Arzneimittelproduktion weiter zu stärken."
Digitale Lösungen für eine moderne Gesundheitswirtschaft
Im Mittelpunkt stand in Stuttgart die Frage, wie Gesundheitsdaten effizient und verantwortungsvoll für Forschung und Innovation genutzt werden können. Gleich zwei Leuchtturmprojekte aus den Ländern zeigen, welches Potenzial hier liegt:
- Katja Schnell (Sozialministerium Baden-Württemberg) und Eva Schulz (Innenministerium Baden-Württemberg) stellten den aktuellen Stand der cloudbasierten Gesundheitsplattform MedicusBW vor.
- Dr. Stefan Biesdorf gab Einblicke in die gerade entstehende Plattform Bavarian Health Cloud, die perspektivisch den Zugang zu universitären Forschungsdaten für Wissenschaft und Industrie erleichtern soll.
Beide Initiativen sind Beispiele für wichtige digitale Ansätze, um forschungskompatible Datennutzung auch im föderalen System Deutschlands zu ermöglichen.
BStabG – Investitionsbremse für den Standort
Ein zweites Thema war das geplante GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz. Die zu erwartenden Auswirkungen wurden intensiv diskutiert – mit klarer Einordnung, wie auch Oliver Kirst, Vorsitzender des BPI Bundesverbans sowie des Landesverbands Bayern, nochmals betont: „In der aktuellen Ausgestaltung droht das Gesetz sowohl die Qualität des Gesundheitssystems und der Patientenversorgung als auch die Attraktivität des Pharmastandorts Deutschland erheblich zu beeinträchtigen.“
Insbesondere beim Mittelstand, der in Bayern und Baden-Württemberg besonders stark vertreten ist, dürfte das Gesetz zu einer massiven Investitionsbremse werden. Die Teilnehmer mahnten die strukturellen Ursachen der GKV-Finanzierungsprobleme anzugehen, statt erneut überproportional den Arzneimittelsektor zu belasten. Es braucht echten Reformwillen, mehr Mut und Schnelligkeit in den Verwaltungen und in den Gemeinden, Skalierungsmöglichkeiten vor Ort und verlässliche Rahmenbedingungen, um das Vertrauen in den Pharmastandort zu stärken.
Den Schwung nutzen: Gemeinsam die Zukunft gestalten
Das zweite Netzwerktreffen beweist, dass der Schulterschluss im Süden kein einmaliges Event, sondern der Beginn einer neuen Phase der intensiven Zusammenarbeit ist. Wir nutzen den Schwung, um die Anliegen des pharmazeutischen Mittelstands gegenüber der Politik im Bund und in Europa wirksam zu vertreten - und gemeinsam die Rahmenbedingungen den Standort und die Gesundheitsversorgung nachhaltig zu verbessern.
