Thomas Schenk ist Sonderbeauftragter für die MINT-Bildungs-Strategie des baden-württembergischen Kultusministeriums sowie Vorsitzender SCHULEWIRTSCHAFT Baden-Württemberg und SCHULEWIRTSCHAFT Deutschland.
Herr Schenk, Sie koordinieren die Umsetzung der MINT-Bildungs-Strategie des Kultusministeriums. Welche Ziele verfolgt diese Strategie?
Die MINT-Bildungs-Strategie des Landes Baden-Württemberg zielt darauf ab, die naturwissenschaftlich-technische Bildung entlang der gesamten Bildungskette systematisch zu stärken – von der frühkindlichen Bildung bis hin zum Übergang in Ausbildung, Studium und Beruf. Im Fokus stehen die Förderung von Kompetenzen wie Problemlösungsfähigkeit, Kreativität und digitales Verständnis sowie die Sicherung des Fachkräftenachwuchses. Ein weiteres zentrales Ziel ist es, mehr junge Menschen – insbesondere auch Mädchen – für MINT-Berufe zu begeistern und Bildungsangebote besser miteinander zu vernetzen.
Welche Rolle kann dabei die Wirtschaft spielen, welchen Beitrag die Chemie- und Pharma-Branche leisten?
Die Wirtschaft ist ein unverzichtbarer Partner bei der Umsetzung der MINTStrategie. Unternehmen bringen Praxisnähe, Innovationskraft und konkrete Einblicke in berufliche Perspektiven ein. Gerade die Chemie- und Pharmaindustrie kann durch Schülerlabore, Praktika, Kooperationen mit Schulen oder die Unterstützung außerschulischer Lernorte einen wichtigen Beitrag leisten. Sie hilft, MINT greifbar zu machen und zeigt auf, wie vielfältig und gesellschaftlich relevant diese Berufe sind.
Die Spitzenorganisationen der Wirtschaft in Baden-Württemberg haben mit dem Wirtschaftsministerium und weiteren Institutionen eine Selbstverpflichtung für außerschulische MINT-Initiativen vorgestellt. Welche Bedeutung messen Sie dieser Selbstverpflichtung bei?
Die Selbstverpflichtung ist ein starkes Signal für Qualität, Verlässlichkeit und gemeinsame Verantwortung. Sie schafft Transparenz und verbindliche Standards für außerschulische Angebote und stärkt zugleich die Zusammenarbeit zwischen Bildung, Wirtschaft und weiteren Partnern. Gerade in einem so innovationsgetriebenen Land wie Baden-Württemberg ist es entscheidend, dass solche Initiativen langfristig tragfähig und gut koordiniert sind.
Die vom agvChemie beauftragte Roadmap Chemie & Pharma formuliert Handlungsempfehlungen im Bildungsbereich. Wo sehen Sie die größten Herausforderungen für die Zukunftsfähigkeit unseres Landes?
Da sehe ich drei wichtige Punkte:
- Chancengerechtigkeit und Leistungsdenken sind keine Gegensätze, wir sollten alle Zielgruppen gleichermaßen erreichen.
- Anschlussfähigkeit von Bildung: Inhalte und Kompetenzen müssen stärker an die dynamischen Anforderungen von Wirtschaft und Gesellschaft angepasst werden.
- Fachkräftesicherung im MINT-Bereich: Der Bedarf wächst schneller als der Nachwuchs.
In weiten Teilen deckt sich das mit den Positionen der Roadmap Chemie & Pharma. Besonders die Bedeutung einer frühzeitigen und kontinuierlichen MINT-Förderung wird dort zu Recht hervorgehoben.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Ich wünsche mir, dass wir MINT-Bildung noch stärker als Gemeinschaftsaufgabe verstehen – mit einer engen Verzahnung von Schule, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft. Wenn es gelingt, Begeisterung früh zu wecken, Talente gezielt zu fördern und attraktive Perspektiven aufzuzeigen, sichern wir nicht nur Fachkräfte, sondern auch die Innovationskraft unseres Landes.
