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Chemie- und Pharmabranche in Baden-Württemberg am Wendepunkt | Stagnierende Produktion trifft auf verhaltene Prognosen

Jahresmedienkonferenz der Verbände ChemieBW

Stuttgart, 12. Februar 2026. Die Chemie- und Pharmaindustrie in Baden-Württemberg stagniert das fünfte Jahr in Folge. Mit einem Saldo von 0,5 Prozent verharrte die Produktion der Gesamtbranche auch 2025 auf niedrigem Niveau. Leicht positiv haben sich die Auftragseingänge entwickelt, liegen aber weiterhin deutlich unter dem Vorkrisenwert. In Summe lässt sich die Geschäftslage weiterhin als kritisch beurteilen. Für die Zukunft rechnen die Mitgliedsunternehmen nicht mit einer raschen Erholung. Patrick Krauth, Vorsitzender des Arbeitgeberverbandes Chemie Baden-Württemberg (agvChemie), verwies auf die anstehende Tarifrunde in der Branche und sagte: „Ein Tarifabschluss, der den Unternehmen Zeit gibt, um sich für die Zukunft so gut wie möglich aufzustellen, ist wichtiger denn je.“

Die Chemie-Arbeitgeber weisen die Forderung der Gewerkschaft nach höheren Löhnen und Maßnahmen zur Beschäftigungssicherung angesichts der Zahlen und Aussichten für die gesamte Branche zurück: „Mit dem Tarifabschluss 2024 sind die Arbeitgeber massiv in Vorleistung gegangen. Jetzt brauchen wir eine tarifpolitische Atempause“, so Krauth weiter. Eine flächendeckende Jobgarantie per Tarifvertrag wird es nicht geben. Sichere Arbeitsplätze lassen sich nicht verordnen. Verpflichtende Regelungen führen zu mehr Bürokratie und kosten Unternehmen am Ende die in einer Krise dringend benötigte Flexibilität. Die Wiedererlangung der Wettbewerbsfähigkeit hat für die Arbeitgebervertreter oberste Priorität. „Die Weichen, die wir heute stellen – ob in der Politik oder bei den Tarifverhandlungen – entscheiden darüber, ob Wertschöpfung, Innovation und gut bezahlte Arbeitsplätze im Land bleiben.“

Für den Verband der Chemischen Industrie Baden-Württemberg (VCI BW) unterstrich der Vorsitzende, Thomas Reith, die anhaltende Dramatik der Lage in der chemisch-pharmazeutischen Industrie: „Rund 23 Prozent der Unternehmen planen bereits, Produktion ins Ausland zu verlagern, oder haben bereits mit der Umsetzung begonnen. Das ist die beginnende Erosion unserer industriellen Basis.“ Deshalb erneuerte er den Appell der Branche an die Politik, insbesondere in der Energieversorgung und bei der Bürokratie endlich für eine deutliche Entlastung der Unternehmen zu sorgen. Dazu hat der VCI BW eine Reihe konkreter Forderungen ausgesprochen, die sich auf Landesebene umsetzen lassen – so etwa eine massive Beschleunigung beim Ausbau der Verteilnetze oder die konsequente Anwendung der verschärften Bürokratiebremse. Besonderes Augenmerk legte Reith auf eine mögliche Chemie- und Pharma-Industrieallianz zwischen den Ländern Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen, die NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst kürzlich in Aussicht gestellt hatte: „Mit vereinten Kräften und einer gemeinsamen Chemie- und Pharma-Strategie könnten beide Länder gezielt auf die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit hinwirken. Wir sind überzeugt, dass eine solche Initiative einen wertvollen Beitrag leisten kann, um das, was in Schieflage geraten ist, gerade zu rücken“, so Reith.

Studie zur Lage der Chemie- und Pharmabranche in Baden-Württemberg vorgestellt

Um der Politik konkrete Handlungsempfehlungen zu geben, hat der agvChemie eine Studie zu Lage, Herausforderungen und Zukunftschancen der Chemie- und Pharmabranche in Baden-Württemberg in Auftrag gegeben. Ein klarer Fokus liegt auf Maßnahmen, die auf Landesebene umgesetzt werden können. Wichtige Handlungsfelder betreffen die Bereiche Bildung und Fachkräftesicherung, aber auch Energie, Infrastruktur, Innovation und Bürokratieabbau. Erste Ergebnisse stellte Herr Dr. Lang von IW Consult vor.