Das Wichtigste auf einen Blick:
- Viele Jugendliche starten mit Unsicherheiten, Ängsten oder psychischen Belastungen in die Ausbildung.
- Ausbilderin Kristina Eckert setzt auf Disziplin, persönliche Betreuung und einen wertschätzenden Umgang.
- Einmal pro Woche kommt ein Berufsschullehrer ins Unternehmen und gibt Nachhilfe.
Ausbildung ist wichtig für die Zukunftssicherung der Chemie- und Pharma-Industrie in Baden-Württemberg – doch viele Unternehmen haben zunehmend Schwierigkeiten, ihre Ausbildungsplätze mit Idealkandidaten zu besetzen.
aktiv hat bei FUCHS LUBRICANTS GERMANY in Mannheim nachgefragt, welche Herausforderungen sich heute stellen. Kristina Eckert koordiniert dort die naturwissenschaftliche Ausbildung für alle Standorte und betreut im Ausbildungsverbund auch Azubis anderer Unternehmen.
Frau Eckert, wie hat sich der Ausbildungsmarkt verändert?
Die Herausforderungen sind tatsächlich groß. Wir bekommen weniger Bewerbungen, und die Ausbildungsreife der Schulabgänger hat in den vergangenen Jahren deutlich nachgelassen.
„Wir haben die Struktur unserer Ausbildung angepasst“
Kristina Eckert, Ausbilderin
Wie reagieren Sie darauf?
Wir haben die Struktur unserer Ausbildung angepasst. Junge Menschen sind heute nicht weniger intelligent als früher. Aber viele wichtige Grundlagen werden ihnen von der Gesellschaft und den Schulen nicht mehr ausreichend vermittelt. Deshalb beginnt die Ausbildung in technischen Berufen wie dem des Chemikanten bei uns mit einem dreimonatigen Grundlagenkurs – unter anderem in Mathematik und Physik.
Mit welchen weiteren Maßnahmen machen Sie gute Erfahrungen?
Wir arbeiten mit sehr kleinen Lerngruppen. So erkennen wir schneller, wenn jemand Schwierigkeiten hat oder dem Unterricht nicht folgen kann. Dann sprechen wir die Auszubildenden direkt an. Außerdem kommt einmal pro Woche ein Berufsschullehrer zu uns ins Haus und gibt Nachhilfe.
Menschen & Betriebe
Was ist Ihr persönliches Erfolgsrezept?
Vor allem ein wertschätzender Umgang mit unserem Nachwuchs. Wir müssen den jungen Leuten Disziplin vermitteln, ihre Fortschritte im Blick behalten und Fehler korrigieren. Entscheidend ist aber, wie wir das tun: Wir müssen Interesse an ihnen zeigen und für sie und ihre Probleme stets da sein – und zwar auch dann, wenn diese Probleme nichts mit dem eigentlichen Lernstoff zu tun haben.
Welche Belastungen bringen Auszubildende mit?
Viele bringen Unsicherheiten und Ängste mit oder sind psychisch belastet. Manche erleben zum Beispiel Cybermobbing. Dann ist es wichtig, dass wir ein offenes Ohr haben und Unterstützung anbieten.
Ausbildung wird aufwendiger. Warum investiert Ihr Unternehmen dennoch weiter in hohem Umfang?
Wir sehen es als unsere Aufgabe, Menschen eine Perspektive in unserer Branche zu geben. Und natürlich decken wir damit auch unseren eigenen Fachkräftebedarf: Jeder, der hier ausgebildet wird, wird gebraucht.
Spezialchemie
Die Spezialchemie-Industrie entwickelt und produziert chemische Stoffe und Formulierungen für ganz bestimmte Anwendungen. Dazu gehören zum Beispiel Schmierstoffe und Additive, Klebstoffe und Dichtstoffe, Lacke und Beschichtungen und Pigmente. Sie können Materialien widerstandsfähiger machen, Reibung verringern, Oberflächen schützen, Energie sparen, Herstellungsprozesse verbessern und vieles mehr. Innovative Schmierstoffe etwa sorgen dafür, dass Maschinen, Fahrzeuge und technische Anlagen zuverlässig arbeiten, bei geringem Verschleiß und niedrigem Energieaufwand.

