Wie die Chemie-Sozialpartner mit dem demografischen Wandel umgehen

05.07.2017

Das zentrale Element des Tarif-Vertrags Demo ist der Demografiefonds. Das ist kein gewöhnlicher Geldfonds, sondern ein betrieblich geschaffener „Topf”, in dem die vom Arbeitgeber geleisteten Demografiebeträge für die Tarifmitarbeiter gesammelt werden. Bis spätestens zum 31. Dezember des jeweiligen Kalenderjahres stellt der Arbeitgeber pro Tarifarbeitnehmer 750 Euro zur Verfügung. Tariferhöhungen haben dabei keine Auswirkung auf die Höhe des Demografiebetrages. So sind bisher eine Milliarde Euro zusammengekommen. Die Mittel aus diesem Topf werden entsprechend einer freiwilligen Betriebsvereinbarung dazu verwendet, um die Gestaltung des demografischen Wandels zu finanzieren. 

Hier fließt das Geld hin: Die wichtigsten Verwendungszwecke 

Langzeitkonten sind einer der meistgenutzten Verwendungszwecke des Demografiebetrages. Sie können als flexibles Instrument zur Gestaltung der Lebensarbeitszeit und auch für Qualifizierungszwecke genutzt werden. Arbeitnehmer in der chemischen Industrie können während ihres aktiven Berufslebens ein Guthaben auf einem Langzeitkonto ansparen, das zur Finanzierung bezahlter Freistellungsphasen herangezogen wird. Die Betriebsparteien vereinbaren, welche tariflichen Ansprüche die Arbeitnehmer in die Langzeitkonten einbringen können. In Betracht kommen beispielsweise Altersfreizeiten oder übergesetzliche Urlaubsansprüche.

Eine weitere Möglichkeit der Verwendung des Demografiebetrags ist die Berufsunfähigkeitszusatzversicherung Chemie (BUC). Sie ist ein zusätzlicher Schutz für den Fall der Berufsunfähigkeit, alle Tarifbeschäftigten werden ohne eine Gesundheitsprüfung in den Vertrag aufgenommen. Ausgenommen sind nur Mitarbeiter, die bereits berufsunfähig sind. 

In Verbindung mit dem Tarifvertrag über Einmalzahlungen und Altersvorsorge (TEA) kann der Demografiebetrag auch für die tarifliche Altersvorsorge genutzt oder für eine lebensphasenorientierte Arbeitszeitgestaltung verwendet werden (sog. RV 80-Modell). Es ermöglicht in bestimmten Lebensphasen die Reduzierung der tariflichen Arbeitszeit, ohne dass sich entsprechend die Vergütung verringert. Das Modell kann außerdem zur Gestaltung flexibler Übergänge in den Ruhestand eingesetzt werden. 

Zur Bewältigung der demografischen Herausforderung haben die Tarifparteien mit dem Demografiekorridor auch eine Option zur flexiblen Arbeitszeitgestaltung eingeführt. Sie ermöglicht die befristete kollektive Festlegung der Arbeitszeit innerhalb eines Korridors von 35 bis 40 Stunden wöchentlich. Auch mit einzelnen Arbeitnehmern kann auf Grundlage einer Betriebsvereinbarung individuell eine wöchentliche Arbeitszeit innerhalb dieses Korridors vereinbart werden (Wahlarbeitszeit). 

Weitere Infos zu Tarifverträgen in der Chemie unter www.bavc.de