Responsible Care Preise 2016: Arbeitssicherheit gesteigert, Ressourcen gespart und Rohstoffe nachhaltig beschafft

28.07.2016

Baden-Baden, 28. Juli 2016. Die diesjährigen Responsible Care-Preise der chemischen Industrie in Baden-Württemberg gehen nach Bräunlingen und Ladenburg: die Unternehmen Freilacke und ICL - BK Giulini sind die Landessieger unter dem Motto „Unsere besten Projekte – 25 Jahre Responsible Care“. Das Unternehmen Börlind, Calw, erhielt einen Sonderpreis für „Produktverantwortung in der Lieferkette“. Thomas Mayer, Hauptgeschäftsführer des baden-württembergischen Verbandes der Chemischen Industrie e.V. (VCI), nahm die Auszeichnung vor und betonte: „Unsere Unternehmen tragen große Verantwortung – für die Produkte, für die Mitarbeiter und für das Gemeinwesen. Und sie werden dieser Verantwortung gerecht – das zeigen die Ausgezeichneten in besonderer Weise!“ 


Am baden-württembergischen Responsible Care-Wettbewerb konnten sich die 310 Mitgliedsunternehmen des VCI beteiligen. Die Jury bestand aus dem Wissenschaftsjournalisten und TV-Moderator Ingolf Baur, dem Ministerialdirigenten Martin Eggstein, Abteilungsleiter im Umweltministerium Baden-Württemberg, und Jürgen Lochner, Vorstandsmitglied des VCI Baden-Württemberg.

Was ist Responsible Care?

Die Initiative Responsible Care steht für die ständige Verbesserung von Gesundheitsschutz, Umweltschutz und Sicherheit in den Unternehmen der chemischen Industrie – unabhängig von gesetzlichen Vorgaben. Responsible Care bietet Management-Werkzeuge, Good-Practice-Beispiele, Informationen und Empfehlungen zu Themen wie Umweltschutz, Produktverantwortung, Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz sowie Transportsicherheit. Auch den Dialog zu diesen Themen umfasst die Initiative.

Initiative mit Zukunft

In diesem Jahr feiert Responsible Care in Deutschland fünfunzwanzigjähriges Bestehen. In dieser Zeit hat sich die Initiative als kraftvoll und flexibel erwiesen. Die heutige und künftige Rolle von Responsible Care kann als Beitrag zu unterschiedlichen Aspekten des verantwortungsbewussten Handelns in der chemischen Industrie gesehen werden. Künftige Schwerpunkte sind unter anderem Produktverantwortung, Energieeffizienz und Ressourcenschonung, Wassernutzung und Security. Responsible Care ist fester Bestandteil von „Chemie hoch 3“ (http://www.chemiehoch3.de).

 

Die ausgezeichneten Projekte im Detail (in alphabetischer Reihenfolge):

Frei Lacke – VOC-konforme Behälterreinigung spart Ressourcen und verbessert die Arbeitsbedingungen

Arbeits- und Betriebssicherheit sowie die eigenen Umweltziele haben bei Frei Lacke einen hohen Stellenwert. Mit der Einführung einer VOC-konformen Behälterreinigung im Unternehmen konnte die Einsparung von Ressourcen, die Verbesserung des Umweltschutzes und der Arbeitsbedingungen im Unternehmen in großem Maße erreicht werden.

Ausgangspunkt für das Projekt war 2010 die Anforderung, den Reinigungsprozess von Ansatzbehältern zur Lackherstellung zu verbessern. Denn bei der Reinigung der Edelstahlbehälter wurde vorwiegend das Standardlösemittel Ethylacetat eingesetzt. Dieses verursacht hohe VOC-Emissionen, was die Luftqualität schwer belastet. Zudem ist der Energieverbrauch zum Betrieb der notwendigen Zu- und Abluftanlage auf Grund des hohen Luftvolumens hoch. Mit der Installation eines neuen Reinigungsprozesses sollte auch die neue Richtlinie zur Emissionsbegrenzung für flüchtige organische Verbindungen erfüllt werden.

Mit der Auswahl eines neuen Lösemittels und einer in Eigenregie konstruierten neuen Reinigungsanlage können heute jährlich 86.500 kg Ethylacetat bei Frei Lacke eingespart werden.  Die VOC-Emissionen konnten von 30.000 kg pro Jahr auf 651 kg verringert werden, was einer Reduktion von 98 Prozent entspricht. Neben dem stark verringerten Lösemittelverbrauch wurde auch das Gefährdungspotenzial für die Mitarbeiter extrem verringert. Seinen hohen Anforderungen an den Umwelt- und Gesundheitsschutz konnte Frei Lacke gerecht werden.

ICL BK Giulini – Mit „Null Unfälle“ zur erfolgreichen Verhinderung von Arbeitsunfällen

Mit der Einführung eines Arbeitssicherheitsprogramms hat sich ICL vor einigen Jahren zum Ziel gesetzt, die Arbeitssicherheit des Unternehmens über die gesetzlichen Anforderungen hinaus erfolgreich zu gestalten. Der neue verhaltensbasierte Ansatz hat bei ICL zu einer entscheidenden Steigerung der Arbeitssicherheit geführt. Seit im Unternehmen Arbeitsschutzmaßnahmen mit interessanten und spielerischen Aktionen präsentiert werden, ist eine sichere Arbeitsumgebung die Regel und das Unfallereignis die Ausnahme.

Die Erfolgsfaktoren des intern entwickelten Konzepts sind: Die Führungskräfte und Mitarbeiter sind stark in die Präventivmaßnahmen eingebunden und werden in zunehmendem Maße selbst zu Akteuren der Arbeitssicherheit. Maßnahmen wie ein monatliches Sicherheitskurzgespräch oder Aktionen zur Vermeidung saisonal bedingter Unfälle, Gefährdungsbeurteilungen, Sicherheitsrundgänge und eine stetige Kommunikation zeigen sich erfolgreich. Das Interesse der Mitarbeiter an den ganzjährigen Aktivitäten ist gleichbleibend groß.

Die Abteilung Arbeitssicherheit, Gesundheit und Umwelt hat die Kampagne ins Leben gerufen und führt sie permanent fort. Inzwischen nehmen auch andere Produktionsstandorte von ICL in Deutschland und Österreich teil. Die Abteilung berät die Werke bei der Umsetzung des Systems und bietet fachlichen Support an. In regelmäßig stattfindenden globalen Meetings werden die Führungsprinzipien für Arbeitssicherheit immer wieder aktualisiert.

Mit der konsequenten Umsetzung des verhaltensbasierten Präventionskonzepts konnte bei ICL eine nachhaltige Reduzierung von betrieblichen Unfallereignissen erreicht und eine positive Präventionskultur bei allen Mitarbeitern etabliert werden.

Sonderpreis: Börlind und der Aufbau einer Bio-Sheabutter-Produktionstätte in Mali – Engagement füreinander

Mali gehört zu den ärmsten Ländern der Welt – Korruption und die einseitige wirtschaftliche Abhängigkeit vom Baumwoll- und Goldexport sind dafür verantwortlich. Um die Menschen dort zu unterstützen, hat die Börlind GmbH in Zusammenarbeit mit „Häuser der Hoffnung e.V“ und mit Unterstützung der deutschen Bundesregierung über die SEQUA 2011 in Mali eine Sheabutter-Produktionsstätte samt Labor und Schulungszentrum mit auf den Weg gebracht. Ab 2013 konnte die Bio-zertifizierte Sheabutter aus Mali in Börlind-Produkten eingesetzt werden. Heute kommt jegliche Sheabutter, die in Börlind-Produkten verarbeitet wird, aus Mali. Für über 1000 Familien ist die Produktionsanlage in Siokoro in Mali heute eine sichere Einkommensquelle.

Mit dem Projekt wollte Börlind zunächst die Einführung von Bio- und Fair Trade Standards in die Karité-Nussbutter-Produktion der örtlichen Kooperative und die Zertifizierung der Produkte erreichen. Dafür erfolgten Schulungen, die Einführung eines Qualitätssicherungsmanagements und einer angemessenen Dokumentation. Auch ein Labor wurde eingerichtet und zwei Laboranten ausgebildet. Die Ausbildung und Schulung erfolgte durch Börlind-Mitarbeiter, sie vermittelten das Fachwissen, das die Produktion hochwertiger Sheabutter voraussetzt. Heute ist die Bio-Zertifizierung abgeschlossen und bereits zum zweiten Mal erneuert worden.

Das Projekt wurde nicht nur durch die Rohstoffabnahme sondern auch mittels mehrerer Spendenaktionen von Börlind unterstützt. Dadurch konnten 250 Karitébäume gespendet, für 80 Schulkinder die Schulgebühren und das Lehrergehalt finanziert werden oder auch ein Tunneltrockner und Speicher zum Trocknen der Nüsse angeschafft bzw. errichtet werden. Börlind unterstützt die Kooperative auch durch die Suche nach weiteren Abnehmern in Europa. Bis heute finden Schulungen zu Hygiene, Gesundheit und HIV statt, ebenso eine Alphabetisierungsmaßnahme für die Frauen in Siokoro.

Die Philosophie der Börlind GmbH, karitatives Engagement nicht willkürlich und einseitig sondern als Arbeit füreinander zu sehen, hat sich als erfolgreich gezeigt.