VCI und Lackverband: Neue Einstufung von Titandioxid sinnlos und irreführend

19.06.2017

Der Ausschuss für Risikobeurteilung (RAC) der Europäischen Chemikalienbehörde ECHA hat empfohlen, das Weißpigment Titandioxid als „einen Stoff mit Verdacht auf krebserzeugende Wirkung beim Menschen“ durch Einatmen einzustufen. Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) und der Verband der Lack- und Druckfarbenindustrie (VdL) kritisieren den Schritt vehement. „Die Bewertung ist aus toxikologischer Sicht nicht nachvollziehbar und führt zu einer großen Verunsicherung der Verbraucher. Außerdem hat die Bewertung gravierende Auswirkungen auf die betroffenen Industriebranchen“, sagte Gerd Romanowski, VCI-Geschäftsführer Technik und Umwelt. Die Staub-Exposition am Arbeitsplatz sei in Deutschland bereits durch den allgemeinen Grenzwert für Staub besonders streng geregelt. 

In einer ersten Stellungnahme zeigt sich besonders die Farbenindustrie bestürzt über die Empfehlung: „Ohne ausreichende wissenschaftliche Grundlage wird hier einer der wichtigsten Rohstoffe unserer Industrie zu Unrecht stigmatisiert. Titandioxid wird seit Jahrzehnten erfolgreich und sicher für die Produktion von Lacken, Farben und Druckfarben eingesetzt – für uns ist Titandioxid schlicht unverzichtbar“, begründet Dr. Martin Engelmann, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der deutschen Lack- und Druckfarbenindustrie (VdL), die Kritik an der Empfehlung. 

Das Weißpigment ist in den meisten Farben enthalten. Gleichwertige Alternativen gibt es nicht. Hintergrund für die Ausschuss-Empfehlung ist die Befürchtung, dass Arbeiter an Lungenkrebs erkranken könnten, wenn sie bei der industriellen Herstellung und Verarbeitung Staubemissionen unter anderem von Titandioxid ausgesetzt sind. „Titandioxid wird Farben als Pigment zugegeben und ist danach fest in die Bindemittel-Matrix eingebunden. Es kann daher gar nicht eingeatmet werden. Eine Gefahrenkennzeichnung für Farben ist daher nicht nur sinnlos, sondern auch irreführend für den Verwender“, erläutert Engelmann. Um Arbeitnehmer vor Staub-Erkrankungen zu schützen, hätten die meisten EU-Mitgliedsstaaten bereits Staubgrenzwerte am Arbeitsplatz eingeführt, erklärt er weiter. Zudem hätten Untersuchungen über mehrere Jahrzehnte hinweg an circa 24.000 Arbeitern in 18 Titandioxid-Fabriken, auch in Deutschland, keine negativen Auswirkungen von Titandioxid auf die Gesundheit festgestellt.

Mehr dazu unter: www.wirsindfarbe.de oder www.vci.de