06.06.2017

Farbenindustrie: Lieferengpässe bei Titandioxid schwächen die Branche

Der Preis für Titandioxid hat sich seit Sommer 2016 um über 30 Prozent erhöht. Dieses Pigment ist wegen seiner großen Deckkraft bei der Herstellung von Farben unverzichtbar. Besonders dramatisch stellt sich die Situation im Bereich Druckfarben dar: Aufgrund der reduzierten Verfügbarkeit der geforderten Pigmentqualitäten rufen die Hersteller hier inzwischen extreme Preise auf. Das zeigt eine Umfrage des Verbandes der deutschen Lack- und Druckfarbenindustrie (VdL) unter seinen Mitgliedern. 

Zum steigenden Preisniveau tragen auch drastische Lieferschwierigkeiten bei: Nach dem Brand in einem finnischen Herstellerwerk und verschärften Umweltauflagen in China planen die Pigmentproduzenten weitere Aufschläge bei Titandioxid. Beim Pigment Zinkstaub stellt sich die Situation ähnlich dar, hier müssen die Hersteller 26 Prozent mehr als im Sommer 2016 zahlen. Schließlich verzeichnen auch andere wichtige Rohstoffe einen Preisanstieg, im Vergleichszeitraum sind Lösemittel um insgesamt rund 15 Prozent teurer geworden. 

Nächste Preisrunde schon in Sicht

„Im Moment geht es am Markt für Titandioxid gar nicht so sehr um die Höhe des Preises, sondern ob überhaupt genug Titandioxid erhältlich ist, um die Produktion unvermindert aufrechtzuerhalten“, berichtet Dr. Martin Engelmann, Hauptgeschäftsführer des VdL. Das Wachstum der Branche könnte durch die Preisrallye und die Versorgungsengpässe bei wichtigen Rohstoffen geschwächt werden.   

Rohstoffkosten sind für die Lack- und Farbenindustrie entscheidend, da sie mehr als die Hälfte der Produktionskosten ausmachen. Die Mehrbelastung für die Branche wird auf weit über 200 Millionen Euro geschätzt, und ein Ende der Preisrallye ist nicht in Sicht. Die angespannte Lage dürfte sich nach Ansicht von Experten in den nächsten Monaten nicht verbessern, die nächste Preisrunde ist für das 3. Quartal 2017 bereits angekündigt.