22.12.2016

CSSA: Studienabbrecher sind wichtiges Potenzial für Unternehmen

Gut 28 Prozent aller Immatrikulierten eines Bachelorstudiengangs geben vor dem Examen auf. Zeit- und Leistungsdruck sind unter anderem die Ursachen dafür. Für ausbildende Unternehmen sind die Studienabbrecher eine interessante Zielgruppe, vor allem vor dem Hintergrund des absehbaren Fachkräftemangels, stellt die Chemie-Stiftung Sozialpartner-Akademie (CSSA) in Wiesbaden fest. Laut einer Umfrage des Bundesinstituts für Berufsbildung (BiBB) wollen ein Viertel von 570 befragten Ausbildungsbetrieben die Abbrecher für eine betriebliche Ausbildung gewinnen. „Wir können es uns nicht leisten, auf das Potenzial der Studienabbrecher zu verzichten“, zitiert das BiBB ein Unternehmen. Auch Betriebe, die weniger Bewerber als in früheren Jahren zählen, wollen sich neue Zielgruppen für eine Ausbildung im Betrieb erschließen.

Die Erfahrungen mit Studienabbrechern sind gut

Die  „Akquise der Zielgruppe“ stößt jedoch auf einige Schwierigkeiten, wie eine Meinungsumfrage des BiBB unter gut 300 Berufsbildungsexperten und Fachleuten aus Betrieben zeigte. Bei der Bayer AG sind Studienabbrecher jedenfalls „genauso willkommen wie jeder andere Bewerber“, teilte der Chemiekonzern auf Anfrage mit. Ebenso bei der BASF, wo „in den vergangenen Jahren die Anzahl der Bewerber mit Studienerfahrung auf einen Ausbildungsplatz zugenommen hat“, sagt Beate Petry, Leiterin der Rekrutierung von Auszubildenden bei der BASF. Die Erfahrungen mit den jungen Erwachsenen sind gut: „Generell haben wir in der Vergangenheit mit der Ausbildung von Studienabbrechern ausschließlich positive Erfahrungen gemacht. Die Motivation der Studienabbrecher ist sehr ausgeprägt“, heißt es in der BiBB-Befragung. Das gilt auch für die BASF. Beate Petry: „Wir haben insgesamt gute Erfahrungen mit den Auszubildenden gemacht, und das unabhängig von vorherigen Studienerfahrungen.“

Keine generelle Befreiung vom Berufsschulunterricht

Gleichwohl können Studienabbrecher, die sich für eine betriebliche Ausbildung entscheiden, nicht darauf hoffen, dass ihre Ausbildung um mehr als ein Jahr verkürzt wird. Das erlaubt das Berufsbildungsgesetz für Jugendliche mit Fachhochschulreife oder Abitur. Außerdem lehnen es mehr als 80 Prozent der befragten Betriebe ab, Studienabbrecher generell vom Berufsschulunterricht freizustellen. Und schließlich findet die Idee wenig Anklang, separate Berufsschulklassen für Studienabbrecher einzurichten. Immerhin bewerten rund 30 Prozent diesen Ansatz als „gut“ oder „sehr gut“.

Den Report: „Studienabbrecher/-innen: Als Auszubildende in Betrieben willkommen – aber möglichst ohne Extrabehandlung“ gibt es hier