Auf der Suche nach Lösungen: Peter Hauck, Betriebsratsvorsitzender der Raffinerie MiRO

06.09.2017

Karlsruhe. „458 Hektar Firmengelände, 80 Kilometer eigene Straßen, 2.000 Kilometer Rohrleitungen …“ Wenn Peter Hauck über die Mineraloelraffinerie Oberrhein (MiRO) in Karlsruhe spricht, leuchten seine Augen. Als Betriebsratsvorsitzender von Deutschlands größter Raffinerie vertritt er die Interessen von rund 1.000 Mitarbeitern am Standort.

Auf seinem Schreibtisch häufen sich Unterlagen, das Telefon klingelt laufend, eine Sitzung jagt die nächste. Der 56-Jährige nimmt es gelassen, strahlt Ruhe und Zuversicht aus: „Wir finden für alles eine Lösung“, sagt er.

Es gibt zahlreiche Baustellen, die er gemeinsam mit dem 15-köpfigen Betriebsratsteam anpackt. Zum Beispiel die Arbeitsbelastung in der Produktion: „Die empfinden viele Kollegen als zu hoch.“ Oder das neue „elektronische Arbeitsgenehmigungssystem“, das für Schichtmeister zunächst Mehrarbeit bedeutet. Wie geht man an so etwas an? Hauck: „Ich höre mir den Standpunkt aller Beteiligten an. Und dann reden wir darüber.“ Er kümmert sich zudem um bequeme Arbeitskleidung von der Regenjacke bis hin zum Schutzhelm.

Oder um komplexe Dinge wie die korrekte Umsetzung des europäischen Rechts in nationales Recht. Denn in Baden-Württemberg drohen dem Unternehmen schärfere Emissions-Auflagen – und damit hohe Investitionen. „Wir brauchen faire Wettbewerbsbedingungen in Europa“, so der Betriebsratsvorsitzende. „Sonst gefährden wir unseren Standort.“ Mit diesem Anliegen war er bereits zusammen mit der Chemie-Industriegewerkschaft IG BCE in Berlin.

Macht er sich da nicht für die Interessen der Firmenchefs stark? „Stimmt“, sagt Hauck, „aber ein starker Standort ist ebenfalls im Interesse der Mitarbeiter!“ Deshalb kämpft er auch mit der Initiative „# PRO 2“ an vorderster Front um den Bau einer zweiten Rheinbrücke, die den Unmut von Naturschützern erregt. „Unsere heutige Brücke ist an der Grenze der Belastbarkeit. Fällt sie aus, wäre das für die Firma eine Katastrophe.“ Seinen Einsatz begründet er mit einer „größeren Glaubwürdigkeit in der Öffentlichkeit: Arbeitgebern wird oft entgegengehalten, es ginge ihnen nur um Gewinnmaximierung. Das ist aber falsch! Es geht um Arbeitsplätze und ein sicheres Einkommen für alle.“

Sein Engagement wird von den Kollegen genau verfolgt. Alle vier Jahre wählt die Belegschaft ihren Betriebsrat ganz direkt. Für Hauck eine positive Bilanz: „Die Leute stehen hinter mir, das ist meine Bestätigung, dass der Weg stimmt.“

Aber auch mit dem Arbeitgeber findet ein konstruktiver Dialog statt: „Einmal im Monat treffe ich mich mit der Geschäftsführung. Wir arbeiten vertrauensvoll zum Wohle des Unternehmens zusammen, das bringt alle voran.“ Ist also ein Kuschelkurs angesagt? Hauck reagiert sofort: „Oh nein! Ich kann auch trefflich streiten, wenn es um Verbesserungen für die Kolleginnen und Kollegen geht!“

Bereits vor 34 Jahren ist Hauck als Kfz-Mechaniker ins Unternehmen eingetreten. „Ich war im Labor für den Motorprüfstand zuständig“, berichtet er. Dort geht es um die Klopffestigkeit von Benzin und die Zündwilligkeit von Diesel.

Stärkeres Bekenntnis zur Sozialpartnerschaft

Vor 15 Jahren stellte er sich zur Wahl für den Betriebsrat, vor 7 Jahren wurde er zum Vorsitzenden gewählt und ist seitdem freigestellt. „Die Tätigkeit passt zu mir“, sagt er. „Schon meine Eltern haben mir beigebracht, die Stimme zu erheben, wenn etwas nicht stimmt.“ Und was ist sein größter Wunsch über das Unternehmen hinaus? „Ein noch stärkeres Bekenntnis der Arbeitgeber und Arbeitnehmer zur Sozialpartnerschaft!“

Persönlich

Wie kamen Sie zu Ihrem Beruf?

Man hat mich angesprochen, ob ich den Wahlvorstand bei der Betriebsratswahl unterstütze. Das hat den Impuls gegeben. Und dann habe ich gleich selber kandidiert.

Was reizt Sie am meisten?

Das Arbeitsumfeld mitzugestalten, von der Arbeitszeit über den Arbeitsplatz bis hin zur Sicherheit.

Worauf kommt es an?

Manchmal gibt es Spannungen und Interessenskonflikte zwischen der Geschäftsführung und den Mitarbeitern. Da heißt es ruhig bleiben, die richtigen Strategien entwickeln und nichts persönlich nehmen.

Autor: Sabine Latorre