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Donnerstag, 24. Februar 2000

Baden-Württemberg und
die chemische Industrie
8 Jahre nach Rio

Karlsruhe. - Mehr als 100 Vertreter aus den Bereichen Politik, Behörden und Chemie-Industrie nahmen an der Veranstaltung "Entwicklungspfade zur Nachhaltigkeit - das Land Baden-Württemberg und die chemische Industrie 8 Jahre nach Rio" teil.

Auf der UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro wurden 1992 im Rahmen der Agenda 21 die Leit- linien für eine zukunftsfähige Chemiepolitik beschlossen. Die Umsetzung dieses Leitbilds wurde von der Landesanstalt für Umweltschutz (LfU) gemeinsam mit den Chemie-Verbänden Baden-Württemberg im Forschungszentrum Umwelt der Universität Karlsruhe an praktischen Beispielen erläutert.

Die Präsidentin der LfU, Margareta Barth, betonte die Bedeu- tung der in unseren Wirtschaftskreisläufen zirkulierenden Stoffströme. "Wir müssen die Umweltauswirkungen von Produkten über ihren ganzen Lebenszyklus, also von der Wiege bis zur Bahre, im Auge behalten". Nur so sei eine umweltverträgliche und nachhaltige Entwicklung, die auch die Bedürfnisse nachkommender Generationen berücksichtigt, möglich.

Als Vertreter des Bundesumweltministeriums wies Ulrich Schlottmann darauf hin, dass nach OECD-Schätzungen weltweit pro Jahr etwa 500 Mio. Tonnen Chemikalien hergestellt werden. Dieser Produktion sind etwa 12 Mio. Arbeitsplätze zuzurechnen. Der sichere Umgang mit Chemikalien stelle eine internationale Herausforderung dar.

Alexander Dehio, Vorsitzender des baden-württember- gischen Chemieverbandes, forderte für seine Branche zunehmende Freiräume, um eigenverantwortliches Handeln zu entwickeln. Er verwies in diesem Zusammenhang auf die umfangreichen freiwilligen Selbstverpflichtungen der chemischen Industrie im Bereich des Umweltschutzes.

Praktische Beispiele für die Aktivitäten zu Umweltschutz und Sicherheit eines mittelständisch geprägten Chemieunternehmens erläuterte Dr. Karin Zenkert von der Rhein Chemie Rheinau GmbH in Mannheim. Dabei ging sie insbesondere auf die Maßnahmen zur Umwelt- und Anlagensicherheit sowie auf den immer bedeutsamer werdenden Bereich der Produktverantwortung ein.

In einer Podiumsdiskussion wurden die Anforderungen an die Chemie für eine zukunftsfähige Entwicklung intensiv - zum Teil auch kontrovers - diskutiert. Einig war man sich, dass Verwaltung und Industrie in Sachen Umweltschutz zusammen arbeiten müssen. Ökologie und Ökonomie seien eng miteinander verzahnt.