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Information
für die Medien
Mittwoch,
10. April 2002
Chemie im Land mit Optimismus
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Pharma-Branche mit Umsatzeinbußen
Stuttgart. Die Chemie-Unternehmen in Baden-Württemberg
blicken verhalten optimistisch auf das laufende Jahr. Positive
Impulse werden nur vom Auslandsgeschäft erwartet. Die Branche
rechnet mit leicht abgeschwächten bis stabilen Beschäftigtenzahlen.
Konjunkturprognose
2002
Die chemische Industrie rechnet in diesem Jahr nicht mit einer
deutlichen und nachhaltigen konjunkturellen Erholung. Nach einer
Umfrage der Chemie-Verbände Baden-Württemberg beurteilt
nur jedes fünfte Unternehmen die konjunkturelle Entwicklung
positiv. Die Branche erwartet zwar ein gutes Auslandsgeschäft,
aber gleichzeitig einen weiteren Rückgang bei der Inlandsnachfrage.
Auch bei den erwarteten Investitionen und Erträgen zeigt
sich die zurückhaltende Einschätzung. Mit 23 Prozent
rechnen genau so viele Unternehmen mit besseren wie mit schlechteren
Erträgen. Etwas optimistischer ist die Umsatzprognose. Gut
ein Drittel der befragten Unternehmen erwartet in 2002 höhere
Umsätze als im Vorjahr. 42 Prozent gehen von konstanten Umsätzen
aus.
Im Vergleich
der einzelnen Chemieteilbranchen fällt die besonders negative
Ertragsprognose der Pharmaunternehmen auf. Diese ist nach Angaben
von Klaus Hütig, Hauptgeschäftsführer der Chemie-Verbände,
auf die zahlreichen ordnungspolitischen Eingriffe zurückzuführen.
Wirtschaftliche
Lage der chemischen Industrie 2001
Der Umsatz der Chemieunternehmen in Baden-Württemberg ging
im letzten Jahr um 2,9 Prozent auf knapp 15 Mrd. € zurück.
Einen solchen Rückgang musste die Branche zuletzt im Rezessionsjahr
1993 verkraften. Damit war der Konjunkturverlauf in der Chemie
deutlich schlechter als bei der Gesamtindustrie. Der Auslandsumsatz
konnte um immerhin 3,7 Prozent auf fast 7 Mrd. € gesteigert
werden. Innerhalb der Chemieteilbranchen ging das Geschäft
bei den Herstellern von Arzneimitteln sowie von Lacken und Farben
zurück. Etwas besser als die gesamte Branche entwickelten
sich die Bereiche Körperpflege und Waschmittel sowie sonstige
Chemieprodukte.
Wirtschaftspolitische
Rahmenbedingungen
"Die zunehmende Flut der Reglungen, insbesondere auf EU-Ebene
wird zu einem immer größeren Problem". Mit dieser
Aussage skizzierte Alexander Dehio, Vorsitzender des Landesverbandes
der Chemischen Industrie e.V., die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen.
Dabei ging er insbesondere auf die von der EU beabsichtigte Neuordnung
der europäischen Chemikalienpolitik ein. Zwar begrüße
die chemische Industrie die grundsätzliche Zielsetzung der
EU, Informationen über Eigenschaften und Verwendung von Stoffen
zu verbessern. Bei einigen Punkten der geplanten Regelungen übte
Dehio allerdings massive Kritik. So sei das Vorhaben, Stoffe mit
gefährlichen Eigenschaften generell durch ungefährlichere
zu ersetzen, nicht zielführend.
Entscheidend für den Umgang mit Stoffen müsse die sichere
Verwendung und die Frage sein, wo der Stoff zum Einsatz kommt.
Außerdem sei durch aufwändige Prüf- und Registrierungsverfahren
zu befürchten, dass die Herstellung zahlreicher kleinerer
Produkte aus Kostengründen eingestellt werden muss. Insgesamt
liegen die Kosten für das von der EU vorgesehene System nach
Schätzung der Chemie-Verbände zwischen 250.000 und 2
Mio. Euro pro Substanz. Gerade für die mittelständisch
strukturierte Chemiebranche im Land sei es fraglich, wie die große
Zahl der kleineren Unternehmen dies verkraften soll.
Einen weiteren Standortnachteil befürchtet die Branche in
der geplanten EU-Richtlinie zum Handel mit CO2-Emissionsrechten.
Mit dieser Richtlinie sollen die CO2-Emissionen europaweit gesenkt
werden. Auch bei diesem Vorhaben sieht sich die chemische Industrie
in Deutschland besonders benachteiligt. So hat die Branche im
Rahmen ihrer freiwilligen Klimaschutz-Selbstverpflichtung bereits
massive Vorleistungen erbracht. Die CO2-Emissionen wurden, bezogen
auf 1990, bislang um ca. ein Drittel gesenkt. Durch diese Vorleistungen
und Effizienzsteigerungen bei der Energieerzeugung sei kaum noch
Verbesserungspotenzial in der Chemiebranche vorhanden. Für
die freiwillig erbrachten Maßnahmen zur Verbesserung der
Energieeffizienz und beim Umweltschutz würden die Unternehmen
nun quasi bestraft.
Ausbildungsplatzsituation
Die chemische Industrie im Land hat ihr Ausbildungsplatzangebot
für das laufende Ausbildungsjahr um 6 Prozent gesteigert.
Damit stieg die Gesamtzahl der Auszubildenden seit 1995 um mehr
als 30 Prozent auf nunmehr 2.620 Jugendliche. Nach Angaben von
Rüdiger Dollhopf, Vorsitzender der baden-württembergischen
Chemie-Arbeitgeber, hat zu dieser positiven Entwicklung auch eine
erfolgreich laufende Ausbildungsaktion beigetragen. Der Arbeitgeber-
verband fördert im dritten Jahr nacheinander zusätzliche
Ausbildungplätze in den Mitgliedsunternehmen mit einem finanziellen
Zuschuss von jeweils 25.000 Euro. Aufgrund der Aktion haben für
das laufende Ausbildungsjahr 21 Unternehmen insgesamt 70 zusätzliche
Ausbildungsplätze angeboten. Besonders erfreulich sei, nach
Angaben von Dollhopf, dass seit dem Start dieser Aktion 10 Chemie-Unternehmen
im Land erstmals eine betriebliche Ausbildung begonnen haben. 
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