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Montag, 07. Mai 2001

Baden-Württembergische Pharmaindustrie fordert Abschaffung der Arzneimittelbudgetierung und Verzicht auf die Positivliste

- Arzneimittelhersteller mit negativer Konjunkturentwicklung
- Sozialminister Repnik will sich für starken Pharmastandort im
Land einsetzen

Baden-Baden. Sozialminister Dr. Friedhelm Repnik hat sich auf der Mitgliederversammlung des Bundesverbandes der pharma- zeutischen Industrie, Landesverband Baden-Württemberg, (BPI) für einen starken Pharmastandort ausgesprochen. Die neue Landesregierung wolle sich dafür einsetzen, dass die mittelständisch strukturierte Pharmabranche auf erstklassige Rahmenbedingungen trifft. Die Gesundheitspolitik des Bundes wurde von Repnik heftig kritisiert.

Der Vorsitzende des BPI-Landesverbandes, Professor Dr. med. habil. Michael Habs, begrüßte die Haltung des baden-württembergischen Sozialministeriums. Laut Habs "müssten von Seiten der Bundespolitik endlich zuverlässige Rahmenbedingungen geschaffen werden". So komme es jetzt vor allem darauf an, die Arznei- und Heilmittelbudgets abzuschaffen. Anstelle dieser Budgets schlägt die Pharmaindustrie so genannte Richtgrößen vor. Diese Richtgrößen müssten sich am tatsäch- lichen medizinischen Bedarf orientieren und eine Ungleichbehandlung von Arzneimitteln vermeiden.

Eine weitere zentrale Forderung der baden-württembergischen Pharma- branche ist der völlige Verzicht auf die Positivliste. Mit dieser Liste würden nach Angaben des BPI eine angemessene Behandlung und die Wirtschaft- lichkeit in der Arzneimitteltherapie eher gefährdet. Gerade für die baden- württembergische Pharmaindustrie wäre der Verzicht auf die Positivliste außerordentlich wichtig. Hier hat sich der pharmazeutische Mittelstand weitgehend auf die Herstellung und den Vertrieb von Arzneimitteln der besonderen Therapierichtungen wie Homöopathie und Phytotherapie spezialisiert. Diese Medikamente sind immer wieder in der Diskussion, wenn es um die Ausgrenzung von Arzneimitteln oder ganzen Stoffgruppen aus der Erstattungspflicht der Krankenversicherungen geht.

Die Folgen der Gesundheitspolitik des Bundes werden nach Angaben von Habs durch die Zahlen zur wirtschaftlichen Entwicklung bestätigt. So ging der Pharmaumsatz im letzten Jahr um minus 0,1 Prozent zurück. Dieses Ergebnis basierte vor allem auf einem schwachen Inlandsgeschäft mit einem Umsatzeinbruch von fast 5 Prozent. Auch die neuesten Zahlen für das Jahr 2001 bestätigen diese negative Entwicklung. So ging im Januar und Februar der Umsatz der baden-württembergischen Pharmaunter- nehmen um 1 Prozent zurück. Dabei musste die Branche einen weiteren Einbruch beim Inlandsgeschäft von 7 Prozent verzeichnen. Der Auslands- umsatz konnte in den ersten beiden Monaten dieses Jahres um immerhin 10 Prozent gesteigert werden.

Baden-Württemberg ist der größte Pharmastandort aller Bundesländer. Die baden-württembergischen Unternehmen sind mit über 20 Prozent am Gesamtumsatz der deutschen Pharmaindustrie beteiligt. Darunter sind leistungsfähige mittelständische Betriebe ebenso wie weltweit tätige Kon- zerne. Die Arzneimittelhersteller im Land beschäftigen insgesamt mehr als 26.000 Menschen in Baden-Württemberg.