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Chemie Baden - Würtemberg

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Dienstag, 03. April 2001


Chemie im Land mit Optimismus
- Pharma-Branche mit Umsatzeinbußen


Stuttgart. Die Chemie-Unternehmen in Baden-Württemberg blicken überwiegend optimistisch auf das laufende Jahr.
Die Geschäftslage wird als gut oder zufriedenstellend beurteilt. Die Branche erwartet stabile bis leicht steigende Beschäftigtenzahlen.

Konjunkturprognose 2001
Die chemische Industrie rechnet in diesem Jahr mit einer positiven konjunkturellen Entwicklung. Nach einer Umfrage der Chemie-Verbände Baden-Württemberg werden ein gutes Auslandsgeschäft und ein leichter Anstieg der Inlandsnachfrage erwartet. Mehr als zwei Drittel der Unternehmen hoffen im Jahr 2001 auf höhere Umsätze. Auch bei den Investitionen und Erträgen zeigt sich eine positive Einschätzung. Mehr als 40 Prozent der Unternehmen gehen von steigenden Gewinnen aus. Die Hoffnungen ruhen vor allem auf dem erwarteten Auslandsge- schäft. Angesichts steigender Gewinne und Investitionen ist man auch bei der Beschäftigtenentwicklung optimistisch. Die Branche rechnet im laufenden Jahr mit einem Personalaufbau von bis zu einem Prozent.

Wirtschaftliche Entwicklung 2000
Die Chemie-Unternehmen in Baden-Württemberg steigerten im
Jahr 2000 ihren Umsatz um 6,2 Prozent auf mehr als 30 Mrd. DM. Dies lag vor allem am positiven Auslandsgeschäft mit einem Umsatzplus von 12,5 Prozent. Erfreuliches meldete die Branche auch bei der Beschäftigtenentwicklung. Der Personalstand stieg im letzten Jahr um insgesamt 1,4 Prozent.

Innerhalb der Chemie-Teilbranchen ergab sich für die Pharma-Unternehmen eine Sondersituation. Hier war der Umsatz mit einem Minus von 0,1 Prozent negativ. Dieses Ergebnis basiert vor allem auf einem schwachen Inlandsgeschäft mit einem Umsatzeinbruch von fast 5 Prozent. Nach Angaben der Chemie-Verbände ist diese Entwicklung vor allem auf das zurückhaltende Verschreibungsverhalten der Ärzte
infolge der Arzneimittelbudgets zurückzuführen.

Die Farben und Lacke erreichten ein Umsatzplus von 4,4 Prozent. Besser als die Gesamtbranche entwickelten sich die Bereiche Körperpflege und Waschmittel sowie sonstige Chemie- Produkte.

Wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen
Hans-Dieter Gutekunst, stellvertretender Vorsitzender des Landesverbandes der chemischen Industrie, stellte Kernaussagen eines Positionspapiers "Chemie im Dialog" vor. Mit diesem Papier will man in den nächsten Wochen auf die neu konstituierte Landesregierung zugehen. Als zentraler Punkt wird gefordert, dass die Umweltpolitik Baden-Württemberg mehr auf die Eigenverantwortung der Unternehmen setzt. Laut Gutekunst erfordern die freiwilligen Selbstverpflichtungen der Chemie-Branche sowie der Abbau der öffentlichen Verwaltung eine neue Form der Zusammenarbeit von Unternehmen und Verwaltung. Im Bereich der Bildungspolitik forderte Gutekunst eine Verstärkung der naturwissenschaftlichen Ausbildung in den Schulen und eine Verkürzung der Ausbildungsphasen für Akademiker. Außerdem müsse der Biotechnologiestandort Baden-Württemberg mit ungebremster Kraft weiter gefördert und auf hohem Niveau weiter entwickelt werden.

Als besonderes Ärgernis wurde seitens der Chemie-Branche einmal mehr der so genannte Wasserpfennig aus dem Jahr 1987 bezeichnet. Dieser Wasserpfennig besitze keine ökologische Lenkungswirkung und sei ein rein fiskalisches Instrument des Landes. Nach Angaben der Chemie-Verbände würden die Unternehmen im Land mit mehreren Millionen DM jährlich belastet und seien somit bereits innerhalb Deutschlands einem Wettbewerbsnachteil ausgesetzt. Gutekunst forderte die Landesregierung auf, diesen Wasserpfennig jetzt endlich abzuschaffen.

Novellierung Betriebsverfassungsgesetz
"Mehrkosten ohne Mehrwert" - auf diesen Nenner brachte Rüdiger Dollhopf, Vorsitzender der baden-württembergischen Chemie-Arbeitgeber, die Neufassung des Betriebsverfassungsgesetzes. Enttäuscht ist man vor allem darüber, dass der Gesetzentwurf hinter verschlossenen Türen ohne Beteiligung der Arbeitgeber und ohne Berücksichtigung der Anliegen der Praxis formuliert wurde. Eine frühzeitig entwickelte Konzeption der Chemie-Arbeitgeber für eine Modernisierung der Betriebsverfassung wurde vom Arbeitsminister nicht beachtet. Nach Angaben von Dollhopf steigen die Kosten der neuen Mitbestimmung für die kleineren und mittelständisch geprägten Firmen überproportional. Die Branche rechnet mit einem Anstieg der freigestellten Betriebs-ratsmitglieder von bisher 73 auf nunmehr 116. Dies würde einer Zusatzbelastung von mindestens 3,4 Mio. DM entsprechen. Als weiteres Problem wurde die zusätzliche Bürokratisierung von unternehmerischen Entscheidungen genannt. Die Gefahr wachse, dass ausländische Unternehmen und Investoren durch die Erweiterung der Mitbestimmung abgeschreckt werden.

Nach Ansicht der baden-württembergischen Chemie-Arbeitgeber hätte man eine modernere und zeitgerechtere Form der Konfliktbewältigung und Zusammenarbeit im Betrieb gebraucht. Nur mit weniger Bürokratie und mehr Flexibilisierung könne man im internationalen Konzert mitspielen und wettbewerbsfähig bleiben.